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"Synagoge in Vöhl"
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Link zur Veröffentlichung 2021

Bahnhofstr. 04



21.03.2006 © Kurt-Willi Julius

1     Bahnhofstraße Nr. 4

(dol) Jakob Katzenstein und Frau, geb. Weizenkorn aus Korbach. Textilgeschäft in der Bahnhofstraße, jetzt Kickuth. Ihr einziger Sohn Albert fiel im Krieg. Die Katzensteins wurden damals in die Synagoge evakuiert. Das Haus steht noch an der Ecke Scharwinkel/Vorderheide. Dann verschwanden sie.

(kin) Im Haus Bahnhofstraße 4 führte das Ehepaar Jakob und Rosalie Katzenstein ein Textilgeschäft. Vermutlich um 1890 kamen Jakob und Rosalie Katzenstein, die aus Frankenau beziehungsweise aus Korbach stammten, nach ihrer Eheschließung nach Frankenberg und eröffneten dort das Textilgeschäft. Ihr einziger Sohn Albert fiel im Ersten Weltkrieg für sein deutsches Vaterland. Er war einer von zwei Gefallenen der Jüdischen Gemeinde Frankenberg.

Ihnen zur Seite stand als Haushaltshilfe Hilde Blum, die als 17-jährige im Mai 1939 im Haus der Bahnhofstraße 4 gemeldet ist. Seit dem Februar 1939 lebte sie aus Friedrichsroda kommend, bei Katzensteins.

Vermutlich Ende 1941 wurde das Ehepaar gezwungen, sein Haus zu verlassen. Es wurde zwangsweise in das Gebäude der im November 1938 geschändeten und im Inneren zerstörten Synagoge, Scharwinkel 4, einzuziehen. Seit Januar 1941 lebte bei dem Ehepaar Katzenstein noch die Schwester von Frau Katzenstein, das war Hedwig Weitzenkorn aus Korbach. Die Hausgehilfin Hilde Blum war zu dieser Zeit vermutlich bereits in Leipzig. (Offiziell wird sie allerdings erst zwei Tage vor ihrer Verschleppung aus Leipzig in Frankenberg abgemeldet).

In der Frühe des 6. September 1942 wurde der 77-jährige Jakob Katzenstein gemeinsam mit seiner 72-jährigen Ehefrau Rosalie und deren 57-jährigen Schwester Hedwig Weitzenkorn unter Androhung schwerster Strafen bei Nichtbefolgung vom Ortsgendarm zum Frankenberger Bahnhof geführt und in ein Sammellager nach Kassel gebracht. Von dort gab es einen Massentransport am nächsten Tag in das Ghetto Theresienstadt. Am 27. November 1942 starb Jakob Katzenstein bei fürchterlichsten hygienischen Verhältnissen im Ghetto Theresienstadt. Nur wenige Wochen nach dem Tod ihres Mannes starb auch Rosalie Katzenstein am 13. Januar 1943, ihre Schwester Hedwig Weitzenkorn kam eine Woche später am 20. Januar 1943 in Theresienstadt zu Tode.

Hilde Blum, die Hausgehilfin der Katzensteins, wurde im Januar 1942 von Leipzig nach Riga in Lettland verschleppt. Ein letztes Lebenszeichen gibt es von ihr vom 1. Oktober 1944, als sie zwei Tage vor ihrem 22. Geburtstag im KZ Stutthoff bei Danzig registriert wird.

Bahnhofstr. 4 mit Kaiserlichem Postamt um 1910
Reproduktion Wissemann 1980, Seite 150

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses in der Frankenberger Bahnhofstraße 4:

Jakob Katzenstein - *8.4.1865 in Frankenau - ermordet 27.11.1942 Ghetto Theresienstadt
Rosalie Katzenstein geb. Weitzenkorn - *6.5.1870 in Korbach - ermordet 13.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hedwig Weitzenkorn - *30.3.1885 in Korbach - ermordet 20.1.1943 Ghetto Theresienstadt
Hilde(gard) Blum - *3.10.1923 in Borken - ermordet KZ Stutthoff
Else Sommer - *1914 - ermordet im Vernichtungslager Sobibor


© Kurt-Willi Julius 02.03.2007
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