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"Synagoge in Vöhl"
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Link zur Veröffentlichung 2021

Neustädter Str. 38


An dieser Stelle stand das in den 70-er Jahren abgerissene Haus. Foto: Matschin-Herberz

6a     Neustädter Straße Nr. 38
Hier lebt 1878 der jüdische Händler Salomon Bär auf. Er ist verheiratet mit Gella, geborene Isak, kauft Lumpen und Knochen auf und verkauft auch Lose zur Kasseler Pferdelotterie zum Preis von drei Mark. Am 20. Oktober 1878 gliedert er seinem Geschäftsbetrieb eine Agentur der Lübecker Feuerversicherungs-Gesellschaft an. Sein am 15. Januar 1871 geborener Sohn Moses will 1888 nach Amerika auswandern.

Vermutlich verliefen die Handelsgeschäfte nicht allzu gut, denn 1892 und 1900 bietet er sein Haus Nr. 456 zum Verkauf an. Um diese Zeit ist er in Frankenberg allgemein als "Hefe-Bär" bekannt. Das Haus kommt nicht zum Verkauf. Seine am 30. Januar 1876 geborene Tochter Pfanni, jüdischen Glaubens, heiratet am 29. Januar 1900 den evangelischen Händler Daniel Schäfer. Das Haus geht in den Besitz seiner Tochter Pfanni und seines Schwiegersohnes Daniel Schäfer über, der das Handelsgeschäft fortführt und unter dem Namen "Hefe-Schäfer" bekannt wird. Der Schuhmacher Gustav Pfingst empfiehlt hier 1910 seine Schuhmacherwerkstatt.

Salomon Bär war ein jüdischer Mitbürger Frankenbergs. Auch seine Tochter Pfanni Schäfer war Jüdin. Sie heiratete mit Daniel Schäfer einen Christen, so daß die Tochter Else Müller als Halbjüdin angesprochen wurde. Rudi Müller bezeichnete sich selbst als Vierteljude. Erstaunlich ist, daß Pfanni Schäfer als Jüdin das Dritte Reich in Frankenberg ohne Deportation in ein Konzentrationslager überstanden hat. Sie starb in Frankenberg am 24. August 1946 und soll während des Zweiten Weltkrieges zum christlichen Glauben übergetreten sein.

Konnte man sich dadurch den nationalsozialistischen Gesetzen entziehen? Nein, denn als Jude galten nach den Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935 und den Durchführungs-Verordnungen vom 14. November 1935 diejenigen Personen, die von drei oder vier jüdischen Großelternteilen abstammten. Konnte Pfanni Schäfer beweisen, daß zwei Großelternteile nicht dem jüdischen Glauben angehörten und sie mithin Halbjüdin war? Dies ist kaum anzunehmen.

Wenn man den Berichten von älteren Frankenbergern folgt, waren Beziehungen des NSDAP-Ortsgruppenleiters zu seinem Eisenbahner-Kollegen Fritz Müller, dem Schwiegersohn von Pfanni Schäfer, ihre Rettung. Da Pfanni Bär schon 1900 einen Christen heiratete, sind die Familien Schäfer und Müller nie als jüdische Familien in Frankenberg angesehen worden.


 Repro: Karl-Hermann Völker, 


Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an den Bewohner des Hauses Neustädter Straße 38:
• Albert Bär - *1882 - ermordet im Ghetto Minsk

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