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"Synagoge in Vöhl"
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Link zur Veröffentlichung 2021

Ritterstr. 20


23.03.2006 © Kurt-Willi Julius

9     Ritterstraße Nr. 20
(dol) Schuhgeschäft Katzenstein, neben Bohlen Mariechen. Ein Sohn studierte damals schon im heutigen Israel. Töchter Paula und Claire (war bei der Post). Eine dritte Tochter - der Name fällt mir nicht ein), heiratete und übernahm das Textilgeschäft ihres Onkels, Jakob Katzenstein, in der Bahnhofstraße, heute Kickuth.


Wohn- und Geschäftshaus; 1950 (Wissemann 1994, S. 182)

24.05.2006 © Kurt-Willi Julius

Nord/West-Seite; 1981 (Wissemann 1994, S. 183)

während der Restaurierung; 1983 (Wissemann 1994, S. 183)

Restaurierung 1983/1984; 1983 (Wissemann 1994, S. 182)

nach der Restaurierung; 1988 (Wissemann 1994, S. 183)

Scharwinkel 04, ehemalige Synagoge


ehemalige Synagoge 24.05.2006 © Kurt-Willi Julius

13   Scharwinkel 4 - ehemalige Synagoge (in der Quelle Dolenschall irrtümlich als Nr. 2 bezeichnet)
Am 18.11.1938 hätte die mittlerweile zahlenmäßig stark verkleinerte jüdische Gemeinde das 1OOjährige Bestehen ihrer Synagoge begehen können. Doch die von den Nazis arrangierte „Reichskristallnacht" vom 9. auf den 10. November 1938 machte dieses Vorhaben zunichte.

Am Morgen des 7.11.1938 hatte in Paris der 17jährige polnische Jude Herschel Grynszpan ein Attentat auf den deutschen Legationsrat Ernst von Rath verübt. Am 9. November 1938 verstarb v. Rath an den Folgen seiner Verletzung. Am selben Tag fanden in allen Städten des Reichs Gedenkveranstaltungen an den gescheiterten Putschversuch vom 9. November 1923 - Marsch auf die Feldherrenhalle - statt. Den Tod v. Raths nahmen die Nazis zum Anlaß, unter dem Deckmantel »spontaner Kundgebungen« in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im gesamten Reich Synagogen, jüdische Friedhöfe, jüdische Geschäfts- und Wohnhäuser zu zerstören. Da bei den Ausschreitungen viel Glas zu Bruch ging, wählten die Nazis wohl den verharmlosenden Begriff „Reichskristallnacht". Bei den Pogromen wurden 91 Juden getötet, ca. 35.000 vorübergehend inhaftiert.

In dieser Nacht wurden in der näheren Umgebung die Synagogen in Bad Wildungen, Battenfeld und Korbach niedergebrannt. Die Frankenberger Synagoge wurde befehlsgetreu „nur geplündert". Der Grund: Die Synagoge grenzte an einer Seite an ein Wohnhaus, auf der anderen Seite an eine Scheune, die randvoll mit Stroh und Heu gefüllt war. Anscheinend war den Frankenberger Nazis das Risiko zu groß, daß auch diese angrenzenden Gebäude Opfer der Flamen geworden wären.

Elfriede Weber erlebte als 1Ojährige die Zerstörung der Frankenberger Synagoge in der Nacht vom 9. November 1938. Sie wohnte damals im Nachbarhaus Scharwinkel 2.

„Nachts wurde die Synagoge von ca. 4 - 5 Männern in Uniform überfallen und verwüstet. Durch die vorher eingeschlagenen Fenster flogen Bänke/ Gebetbücher, Sitzkissen und Glasteile in den Scharwinkel.

Meine Mutter und wir Kinder standen am Fenster, wurden aber durch Zurufe und In-die-Luft-Schießen am weiteren Beobachten gehindert. Das bereits gelegte Feuer wurde zur Sicherung der anliegenden Scheunen und dem Wohnhaus, in dem wir wohnten, von den Verursachern wieder gelöscht. Am nächsten Tag mußten Juden die zertrümmerten Gegenstände auf einen Leiterwagen zum Abtransport laden."


Die Synagoge ging Anfang 1939 in den Besitz der Stadt Frankenberg über und wurde zum Wohnhaus umgebaut. 1943 wurde das Haus weiter verkauft.

Ursprünglich war der rechts neben dem Eingang liegende Teil eingeschossig. Hier befand sich der Betsaal mit jeweils einer Empore an den Längsseiten. Im linken Teil - zweigeschossig - befand sich die Hausmeisterwohnung und vor 1913 die Räume der jüdischen Schule. In diesen Räumen wurden im Sommer 1942 u.a. das aus ihrem Haus in der Bahnhofstraße vertriebene Ehepaar Rosalie (72 Jahre) und Jakob (77 Jahre) Katzenstein zwangsuntergebracht, bevor sie im August ins KZ Theresienstadt deportiert wurden.


Ehemalige Synagoge um 1950 Quelle: Dolenschall; a.a.O.

ehemalige Synagoge 24.05.2006 © Kurt-Willi Julius

Schmiedegasse 02


24.05.2006 © Kurt-Willi Julius

8     Schmiedegasse Nr. 2
(dol) Marx, im heutigen „Storchennest" mit schlanker, sympatischer Frau. Sohn Erich studierte nach dem Abitur (die ersten Abiturienten in Frankenberg) Jura und arbeitete als Referendar am hiesigen Amtsgericht. Bruder Jakob half im Viehgeschäft seines Vaters. Oben im Storchennest wohnte der Bruder des Marx vom Paterre. Er war Viehhändler und unterhielt ein Textilgeschäft. Mehrere Kinder - Loni.... Frau Marx starb über 90-jährig in den USA, betreut von einer ihrer Töchter. I. G. war in den USA und besuchte sie dort. Über ein mitgebrachtes Foto ihres ehemaligen Hauses hat sie sich sehr gefreut.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an den Bewohner des Hauses Schmiedegasse 3:

• Bertha Marx geb. Biermann - ∗ 1882 - ermordet 1944 Vernichtungslager Auschwitz


24.05.2006 © Kurt-Willi Julius

GeorgDerReisende, Stolperstein Bertha Marx, 1, Schmiedegasse 2, Frankenberg, Landkreis Waldeck-Frankenberg, CC BY-SA 4.0

Steingasse 08


Straßenverbreiterung, dort wo das Gebäude stand  09.06.2006 © Kurt-Willi Julius

7     Steingasse Nr. 8
(dol) Alex Katten. Die Mutter nähte unter anderem im Laden (Textilien). Sie war später an den Rollstuhl gefesselt, konnte sich aber noch gut selbst helfen. Die beiden Söhne, einer hieß Fritz, lebten in Berlin und sollen dort die Nazizeit überlebt haben.


Abbruch 1967/1968; Foto: Rothermund, Frankenb. (Magistrat... 1979, S. 125)

Straßenverbreiterung, dort wo das Gebäude stand (Magistrat... 1979, S. 125)

Steingasse 19


23.03.2006 © Kurt-Willi Julius

20   Steingasse Nr. 19
(dol) Die alte Frau Dilloff wohnte in dem Haus neben der Rathausapotheke. Am Haus war eine Kuh, als Zeichen des Viehhändlers, angebracht. Ihre Tochter Recha heiratete einen David Rosenbaum aus Wetzlar oder Dillenburg.


Steingasse 19 vor der Renovierung; 1950 (Wissemann 1994, S. 237)

von li: Steingasse 17/ 19; 24.05.2006 © Kurt-Willi Julius

Steingasse 20


23.03.2006 © Kurt-Willi Julius

19   Steingasse Nr. 20
(dol) Jakob Dilloff, heute Schreinerei Walter Hartmann, war ein alter Mann. Seine Tochter Jeny betreute ihn und eine geisteskranke Tochter Berta. Zwei weitere Töchter lebten in Oberhausen/Rhld. Eine hatte ein Putz- und Modegeschäft und war mit einem Christen verheiratet. Diese Tochter hatte zwei Kinder, Irma und Lotte. Sie war sehr elegant und weilte oft mit Kinderfräulein in den Ferien. Die andere Tochter hatte ein Kind namens Edith. Die Söhne der Dilloffs lebten auswärts. Am „Schawwes" (gemeint ist der Sabbat, der Sonntag der Juden) kam Herr Dilloff aus der Synagoge. Der Tisch war festlich mit Matzen und Berges gedeckt. Ein besonderer Leuchter zierte den Tisch. Die Nachbarn legten Kohle und Holz zur Erhaltung des Feuers auf, weil die Juden dies am „Schawwes" nicht durften.

(kin) Im Haus Steingasse 20 lebte die Familie Jakob und Sara Dilloff. Sie dürften in den 1920-er Jahren verstorben und in Frankenberg auf dem Jüdischen Friedhof beerdigt sein.

Das Ehepaar hatte mehrere Kinder: Recha (*1879 in Frankenberg), Hedwig (*1880 in Frankenberg) und Rudolf Dilloff (*1892 in Frankenberg). Recha Dilloff heiratete einen Herrn Joseph und lebte mit ihm in Oberhausen.

Um der nationalsozialistischen Verfolgung zu entgehen, floh sie nach Holland. Von ihrem Wohnort in Apeldoorn wurde sie nach der deutschen Besatzung über das Lager Westerbork in Holland im Juni 1943 in das Vernichtungslager Sobibor verschleppt und dort unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast. Sie wurde 64 Jahre.

Hedwig Dilloff heiratete etwa um die Jahrhundertwende Ferdinand Heinrich und lebte in dem Weindorf Casel bei Trier. Als Witwe zog sie im August 1933 nach Trier.

Im Oktober 1941 wurde die 61-Jährige von dort in einem Massentransport nach Lodz im besetzten Polen in das dortige Ghetto verschleppt und dort vermutlich im Vernichtungslager Chelmno vergast.

Rudolf Dilloff war geistig behindert. Im Alter von 28 Jahren kam er 1920 in die Psychiatrie in Haina. Zwanzig Jahre später wurde er im September 1940 in das Sammellager für jüdische Patienten in der Gießener Anstalt verschleppt und wenige Tage später in der Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg ermordet.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses Steingasse 20:
Recha Joseph geb. Dilloff - *26.2.1879 in Frankenberg - ermordet 1943 Vernichtungslager Sobibor
Hedwig Heinrich geb. Dilloff - *20.11.1880 in Frankenberg - ermordet 1942 Vernichtungslager Chelmno
Rudolf Dilloff - *24.8.1892 in Frankenberg - ermordet 1940 Euthanasie-Mordanstalt Brandenburg


24.05.2006 © Kurt-Willi Julius

01.03.2007 © Kurt-Willi Julius

Steubergasse 12


Foto: Matschin-Herberz

10   Steubergasse Nr. 12
(he) Viehhändler Meier Marx mit seiner Frau Frieda, geb. Dilloff, und den Kindern Sidonie (Toni) und Walter

Untermarkt 08


21.03.2006  © Kurt-Willi Julius

17   Untermarkt Nr. 8
(dol) Josef Kaiser mit Frau Feylchen, Viehhändler . Kinder, Jenny, Hermann, Hanna, Erna. Herr Kaiser wurde von den Nazis angeblich nach Kassel geholt.

(kin) Im Haus Untermarkt 8 in Frankenberg wohnte das Ehepaar Josef und Mary Kaiser. Der Viehhändler und Metzger Josef Kaiser stammte aus Hoof bei Kassel und lebte seit 1894 in Frankenberg. Nach dem Tod seiner Frau heiratete er 1921 Mary Josephs aus Jever in Norddeutschland. Vier Kinder wuchsen im Haus Untermarkt 8 auf. Von der Tochter Jenny werden wir noch weiter unten hören.

Das Ehepaar Kaiser wurde zum 13. Dezember 1941 - wie die Ehepaare Plaut und Katzenstein - gezwungen, aus seinem Haus zu ziehen und in dem Gebäude der Synagoge, sicherlich auf engstem Raum, zu leben. Im Mai 1942, als es Fische aus der Eder zu kaufen gab, war auch Josef Kaiser in der Reihe der Wartenden.

Jemand denunzierte den 73-Jährigen und die Gestapo wies ihn am 12. Juni 1942 in das Arbeitserziehungslager Breitenau bei Guxhagen ein. Dort blieb er etwa zehn Wochen in Schutzhaft, bevor er am 25. August von Breitenau in das Konzentrationslager Mauthausen in Österreich verschleppt wurde. Nur wenige Tage später wurde sein Tod dort am 31. August 1942 amtlich festgehalten.

Es ist nicht bekannt, ob seine Frau noch von dem Tod ihres Mannes wusste, bevor die 61-Jährige über Kassel in das Ghetto Theresienstadt verschleppt wurde. Nach mehr als zwei Jahren Gefangenschaft wurde sie von dort am 9. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast wurde.

Die Tochter Jenny Kaiser lebte vermutlich bis zu ihrer Heirat um 1925 in ihrem Elternhaus Untermarkt 8. Dann zog sie nach Bonbaden im Kreis Wetzlar und wohnte im Haus Dorfstraße 99.

Am 10. Juni 1942 wurde sie im Alter von 47 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann und dem 15-jährigen Sohn Horst und einem Schwager aus ihrem Haus verschleppt über Frankfurt nach Polen in die Region Lublin und im Vernichtungslager Sobibor ermordet.

Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern an die Bewohner des Hauses Untermarkt 8 in Frankenberg:
Josef Kaiser - *17.7.1869 in Hoof, Landkreis Kassel - ermordet 31. August 1942 KZ Mauthausen
Mary Kaiser geb. Josephs - *26. August 1881 in Jever - ermordet 9. Oktober 1944 Vernichtungslager Auschwitz
Jenny Liebmann geb. Kaiser - *8.7.1895 in Frankenberg - ermordet 1942 Vernichtungslager Sobibor.


von li: Untermarkt 6, 8 vor der Modernisierung; vor 1975 (Magistrat... 1979, S. 145)

von li: Untermarkt 6, 8 nach der Modernisierung; 1977 (Magistrat... 1979, S. 145)


von li: Untermarkt 2, 4, 6, 8; 21.03.2006 © Kurt-Willi Julius

21.03.2006  © Kurt-Willi Julius

Untermarkt 10


Untermarkt 10, 12 ein Haus - zwei Nummern: li Nr. 10, re Nr. 12; 24.05.2006
© Kurt-Willi Julius


18   Untermarkt Nr. 10
(kin) Im Haus Untermarkt 10 lebte das Ehepaar Bertha und Jonas Dilloff. Jonas Dilloff war in Frankenberg geboren. Er schlachtete vermutlich Kleintiere und handelte mit deren Fellen. 1938 starb Bertha Dilloff im Alter von 78 Jahren, und sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Frankenberg beerdigt.

Nach ihrem Tod zog Jonas Dilloff im April 1939 nach Bonbaden im Kreis Wetzlar zu der aus Frankenberg stammenden Jenny Liebmann geb. Kaiser und ihrer Familie. Ihr Bruder hatte bis zu seiner Auswanderung im selben Haus wie Jonas Dilloff gelebt. Der alte Jonas Dilloff wurde im August aus dem Israelitischen Krankenhaus in Frankfurt im Alter von 77 Jahren in das Ghetto Theresienstadt verschleppt, wo er wenige Wochen später am 23. September 1942 starb.

Ein Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig erinnert an den Bewohner des Hauses Untermarkt 10:

Jonas Dilloff - *4. November 1864 in Frankenberg - ermordet 23. September 1942 Ghetto Theresienstadt
• Ruth Friesem geb Liebmann - ∗1921 - ermordet 11.6.1942 Vernichtungslager Sobibor


li. Hälfte: Untermarkt 10 vor der Modernisierung; 1979 (?) (Magistrat... 1979, S. 159)

Untermarkt 10, 12; 24.05.2006 © Kurt-Willi Julius

Untermarkt 10, 12 ein Haus - zwei Nummern: li Nr. 10, re Nr. 12; 24.05.2006
© Kurt-Willi Julius


01.03.2007 © Kurt-Willi Julius

GeorgDerReisende, Stolperstein Ruth Friesem, 1, Untermarkt 10, Frankenberg, Landkreis Waldeck-Frankenberg, CC BY-SA 4.0
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