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"Synagoge in Vöhl"
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"Synagoge in Vöhl" e.V.

Nachruf Frau Dr. h.c. Thea Altaras 2004


Wir trauern um

Frau Dr. h.c. Thea Altaras


Wie wir leider erst seit dem 17. Oktober wissen, ist Thea Altaras am 28. September 2004 in Giessen verstorben. Ein Gedenkblatt mit ihrem Lebenslauf finden Sie weiter unten.

Der Förderkreis "Synagoge in Vöhl" e.V. verdankt ihr Vieles. Frau Altaras gehörte seit dem Frühjahr des Jahres 2000 dem Beirat des Förderkreises an. Gerne erinnern wir uns an die Treffen mit ihr in Vöhl, in Giessen und bei verschiedenen Tagungen zurück.

Im April 2000 besuchte Frau Altaras erstmals die kurz zuvor vom Förderkreis erworbene Vöhler Synagoge. Ihre lebendige Begeisterung, mit der sie das Gebäude wahrnahm, werden uns unvergessen bleiben. Mit ihrem ungeheuren Wissen über Landsynagogen konnte sie uns viele erste Fragen und Rätsel um die Synagoge beantworten. Ein lebhafter Briefkontakt entstand. Als wir die ehemaligen Vöhler Juden im September 2000 nach Vöhl einluden, besuchten wir mit ihnen einen Shabbat-Gottesdienst in Giessen, wo wir durch Frau Altaras aufs herzlichste empfangen wurden und wo sich lebhafte und tiefgehende Gespräche entwickelten.

In der Folgezeit brachte Frau Altaras wiederholt wertvollste Anregungen für die Renovierung in Vöhl ein. Unentgeltlich fertigte sie zahlreiche arbeitsaufwändige detaillierte Zeichnungen für uns an. Das waren Grundrisse, die das hypothetische Aussehen der Synagoge zu verschiedenen weit zurückliegenden Zeiten darstellen, ebenso, wie Entwürfe, mit deren Hilfe zentrale Einrichtungsgegenstände neu angefertigt werden konnten. Zu nennen sind hier vor allem das 1938 zerstörte und 2001 fertiggestellte neue große runde Fenster mit Davidstern und der zentrale siebenarmige Deckenleuchter, der am 9. November 2004 erstmals in der Synagoge erstrahlen wird.

Gerade dieser Leuchter lag Frau Altaras sehr am Herzen. Nachdem wir sie im Frühjahr 2004 um Mithilfe gebeten hatten, schickte sie innerhalb weniger Tage Zeichnungen, Entwürfe und genaue Beschreibungen, mit denen es dem Schmiedemeister Figge aus Höringhausen leicht fiel, den Deckenleuchter anzufertigen. Da keine Bilder und nur ungenaue Beschreibungen des historischen Leuchters vorlagen, hatte Frau Altaras vorgeschlagen, einen schlichten Leuchter anzubringen, der wirkt, ohne den Blick zu sehr vom blauen Synagogenhimmel abzulenken. Landesdenkmalpflege und Förderkreis konnten ihren Entwürfen sofort zustimmen.

Es muss nur wenige Tage vor ihrem Tod gewesen sein, als sie uns anrief. Lebhaft interessiert fragte sie nach "ihrem" Leuchter, dessen Fertigstellung sich durch eine Erkrankung des Schmiedes verschoben hatte. Frau Altaras wollte in der Neubearbeitung ihres Buches über Synagogen und Mikwen in Hessen unbedingt auch ein Foto dieses Leuchters mit dem Fenster mit Davidstern im Hintergrund zeigen. Lange unterhielten wir uns über Vöhl, aber auch über ihre enorme Arbeitsbelastung durch das Buch und die jüdische Gemeinde in Giessen, deren Leitung sie seit dem Tode ihres Mannes vor wenigen Jahren inne hat.

Dieses Telefonat und Gespräche mit dem herausgebenden Verlag machen im Nachhinein deutlich, wie sehr sich Frau Altaras bis zu ihrem Tode um die Vollendung "ihrer" Projekte gesorgt und gekümmert haben muss. Die Zeiten zwischen mehreren Krankenhausaufenthalten muss sie bis zur Erschöpfung, in der Sorge nicht mehr fertig zu werden, an ihrem Buch gearbeitet haben. Der Tod hat sie, nach allem was wir wissen, am Schreibtisch ereilt. Ihr Buch konnte sie, bis auf wenige Bilder, die jetzt andere für sie machen müssen, vollenden. Es wird in Kürze erscheinen.

Der Förderkreis "Synagoge in Vöhl" e.V. wird den Menschen und die Persönlichkeit Thea Altaras nie vergessen. Vieles in der Synagoge wird für immer an sie erinnern.


100 Jahre Langewiesche
seit 1902 Königstein
VERLAG DIE BLAUEN BÜCHER

Verlagsinformation 01. Oktober 2004:

Gedenkblatt für Thea Altaras

Am Dienstag, 28. September, verstarb in Gießen die Architektin Thea Altaras im Alter von 80 Jahren. Weltweite Aufmerksamkeit fanden ihre Forschungen über das bundesrepublikanische Schicksal derjenigen Synagogen und jüdischen Rituellen Tauchbäder, die die Pogromnacht 1938 und den zweiten Weltkrieg als Bauwerke überstanden hatten sowie über die Stätten der Juden in Gießen.

Thea Altaras, als Kind deutscher Eltern am 14. März 1924 in Zagreb geboren, wurde im jüdischen Glauben erzogen. 1941-1945 Verfolgung, Lager und im jugoslawischen Widerstand. 1953 Diplom-Ingenieur in  Architektur. Seitdem als Architektin berufstätig. Seit 1965 in der Bundesrepublik Deutschland, deutsche Staatsbürgerschaft 1968. Im öffentlichen Dienst von 1965 - 1984 als Planungsarchitektin in staatlichen Hochbauämtern in Konstanz, Gießen und Marburg/L. tätig. Verheiratet, eine Tochter. 1989 Ehrendoktorwürde der Universität Gießen in Würdigung der vorliegenden Arbeit. 1995 Hedwig Burgheim- Medaille der Stadt Gießen, 1998 Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Seit 2001 Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gießen. Ihr Buch „Synagogen in Hessen - Was geschah seit 1945?“ wurde 1988, ihr zweites „Das jüdische Rituelle Tauchbad“ 1995 seitens der hessischen Wissenschafts- und Kultusministerien an alle weiterführenden Schulen Hessens sowie an die Verwaltungen der betroffenen Gemeinden verteilt. Das Ziel war der würdigere Umgang mit den dinglichen Zeugen jahrhunderte langer deutsch-jüdischer Vergangenheit. Altaras ist darauf hin zu zahlreichen Veranstaltungen in betreffende Orte eingeladen worden, wo sie referierend und auch beratend tätig wurde. Seither sind zahlreiche Bauten restauriert und einer würdigen Nutzung zugeführt worden, auch wurden an vielen der ehemaligen Synagogen oder Bethäuser Gedenktafeln angebracht. Kurz vor ihrem Tod konnte Thea Altaras die Arbeit an einer kombinierten Neuausgabe dieser beiden Bände vollenden. Das Werk soll spätestens im Frühjahr 2005 wieder als „Blaues Buch“ vorliegen.

 


Mit großer Bestürzung nehmen wir Abschied von


Dr. h.c. Thea Altaras
Zagreb 11. März 1924 - Gießen 28. September 2004

Mit unglaublichem Engagement tat Thea Altaras das, was eigentlich andere an
ihrer Stelle hätten tun müssen. Ihr haben wir es zu verdanken, dass ein Teil
der bittersten deutschen Geschichte Aufklärung fand.

Behutsam, ohne Hass, manchmal mit viel Trauer im Herzen forschte Thea
Altaras nach dem Schicksal der einst über zweihundert Synagogen
in Hessen, besonders auch nach 1945. Tief beschämt mussten wir durch
Ihre Suche erkennen, wie gründlich der deutsche Antisemitismus in den
Städten und Dörfern gewütet hatte und mancherorts bis heute noch
zu spüren ist.

Wir sind Dipl.-Ing. Dr. h.c. Architektin Thea Altaras zu tiefem Dank verpflichtet.




Karl Robert Langewiesche Nachfolger Hans Köster KG Verlag der Blauen Bücher
Königstein im Taunus


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