Förderkreis
"Synagoge in Vöhl"
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"Synagoge in Vöhl"
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"Synagoge in Vöhl"
Link zur Veröffentlichung 2021

Balakrishnan, K.V.


© Kurt-Willi Julius
ohne Titel (2004)
K. V. Balakrishnan

Curriculum Vitae
born 1952 in Kerala
textile artist and designer, painter
founded Tasara- Center for Creative weaving- together with his brother V.Vasudevan
in 1989 as an extension of Spider Weavers, which were started in 1979.
Activities of Tasara:
Artist in Residence
weaving, dyeing, printing research in textiles
experiments and exploration in weaving
annual international weaving and dyeing workshops in every December since 1989
mixed media workshops for children
several exhibitions in all important Indian cities, in Germany, Sweden, Netherlands
workshops abroad with many artists from India and the West
cooperations and collaborations with interior architects for their private and public
projects
K.V. Balakrishnan is responsible for all designing, dyeing, weaving work in Tasara.
Aside he develops his painting ideas.
Works of Tasara are exhibited and collected worldwide by public and private
collectors.

Email von Balakrishnans Bruder Vasudevan

Dear kuwi,
Thanks for your call and I am sorry that I couldn’t talk to you. I was trying
to get some words from my brother but it seems difficult for him to
explain about the tapestry. He said that was just his first impression after
seeing the wooden piece of the synagogue ceiling which Reta brought to
Tasara with her. And that he just tried to combine the symbols of three
religions related with it, Hinduism, Christianity and Judaism, in his own
artistic way.
So you can see there stars from Judaism ; the opening door to Christian
spirituality and the conch from Hinduism.
The conch is very important in Hinduism as always carried by Vishnu.
During the epical Mahabharatha battle, Krishna, one of the incarnations
of Vishnu, was serving as the chariot driver for the great warrior Arguna.
Krishna used a conch as his battle bugle. And it was during this great
war Krishna gave the philosophical speech to Arguna which is known as
Bhagavat Gita.
Wish you all the best for the exhibition.
Love and regards,
Vasudevan

Lieber Kuwi,
Vielen Dank für Deinen Anruf. Ich bedauere es, dass ich nicht mit Dir
reden konnte. Ich versuchte, einige Worte der Erklärung von meinem
Bruder zu bekommen, aber es scheint schwierig für ihn, die Tapisserie
zu erklären. Er sagte, dass es gerade sein erster Eindruck nach dem
Sehen des Holzstückes der Synagogen- Decke war, das Reta mit nach
Tasara brachte. Und das er versuchte, die Symbole von drei damit
verbundenen Religionen auf seine eigene künstlerische Weise zu
vereinigen: Hinduismus, Christentum und Judentum.
So kann man dort Sterne des Judentums sehen; die sich öffnende Tür
zur christlichen Spiritualität und die Muschel aus dem Hinduismus.
Die Muschel ist im Hinduismus sehr wichtig, weil sie stets von Vishnu
getragen wird. In der Erzählung des Heldenepos des Mahabharatha-
Kampfes diente Krishna, der eine der Verkörperungen von Vishnu ist, als
der Kampfwagen- Lenker für den großen Krieger Arguna. Krishna
gebrauchte während der Schlacht eine Muschel als Signalhorn. Und es
war während dieses großen Krieges, dass Krishna Arguna die große
philosophische Rede hielt, die als Bhagavat Gita bekannt ist.


Tasara Centre for Creative Weaving

Beypore North, Kozhikode
673015, Kerala, India
www.tasaraindia.com
V. Vasudevan, Tasara, Tel. 0091-495-2414233, email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Tasara ist eine Zentrum, das sich ganz dem kreativen Weben verschrieben
hat. Es liegt in Beypore in Kerala an der Westküste Indiens. Gegründet
wurde Tasara 1989 von den Brüdern V. Vasudevan und V. Balakrishnan als
eine Erweiterung der „Spider Weavers“, die aus der familieneigenen Weberei
hervorgingen. Tasara bedeutet Weberschiffchen in Sanskrit. Die ganze
Familie und die dort arbeitenden Web- und Textilfachleute haben es sich
zum Anliegen gemacht, einen zeitgemäßen Ausdruck in der
jahrhundertealten Kunstform des Webens zu finden. In einer anregenden
Umgebung kommen Künstler und Weber aus aller Welt zusammen und
gemeinsam werden die Grenzen des jeweiligen Mediums überschritten.
Kataloge zu zwei internationalen Workshops des Goetheinstituts belegen die
eindrucksvollen Ergebnisse dieser Kooperationen. Mehrmals im Jahr werden
Workshops zu verschiedenen Themen künstlerischer Arbeitsbereiche
angeboten. Die Teilnehmer werden im Gästehaus auf dem Tasara-Anwesen
untergebracht.
Tasara ist Mitglied von resartis/artist in residence (www.resartis.com)
Tasara-Tapisserien wurden ausgestellt in Indien, Europa, den USA und dem
Mittleren Osten.
Farbenprächtige Tapisserien, elegante Möbelstoffe und Gardinen haben
ihren Weg in öffentliche und private Häuser in der ganzen Welt gefunden.
In Tasara angewandte Webtechniken sind hier entwickelt und
weiterentwickelt worden und haben dem zeitgenössischen Weben zu einer
neuen Dimension verholfen.
Das Zentrum hat Erfahrung in der Zusammenarbeit mit renommierten
Künstlern und Designer, die dort ihre Projekte realisierten.


© Kurt-Willi Julius

K.V. Balakrishnan bei den ersten Entwürfen; Januar 2004
© Reta Reinl


v.l.n.r.: Santa V., Vasudevan Vadatkkiniyeddth, die Geschwister des Künstlers,
und Reta Reinl; überbringen die Tapisserie; Sommer 2004
© Kurt-Willi Julius


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

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© Kurt-Willi Julius

Betz-Böttner, Barbara


  Lichter an der Feste des Himmels (2005)
 © Kurt-Willi Julius

BARBARA BETZ BÖTTNER
LICHTER AN DER FESTE DES HIMMELS

Wurde 1959 in Fulda geboren und lebt in Frankenberg (Eder)- Viermünden.

Die Stele besteht aus 3 Teilen, die sich zu einer Gestaltung wieder
zusammenfügen. Der obere Teil ist das Originalsternenbrett, das
allerdings noch vor der Festigung im unteren Teil zerbrach. Das darunter
angebrachte Brett ist eine vereinfachte Rekonstruktion der
ursprünglichen Brettform, kenntlich gemacht durch die farbliche
Angleichung an das Original. Würden beide blaugrauen Teile
zusammengefügt, ergäbe sich dann die Ursprungsform, die ebenfalls in
der Formgebung des rekonstruierten Brettes aufgegriffen wird.
Zwischen beiden blaugrauen Brettteilen befinden sich auf Folien
gedruckt alle 18 Sternen- bretter.
Die Form des Gesamtobjektes orientiert sich an einer Stele und soll in
ihrer schlichten und schlanken Formgebung an ein Grabmal erinnern.
Diese Wirkung wird durch die zwei goldunterlegten Texte auf dem
Originalbrett (hebräisch und deutsch), des darüber angebrachten
Mondes und den, durch Glasscherben gelegten Stern auf dem Objektfuß
unterstrichen.
Über allem Zerbrochenen, Endlichen steht der goldglänzende Mond der
Unendlichkeit, der die himmlischen Lichter wieder zu neuem Glanz
führen kann.

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Eitel, Katharina



Ruach   Tikva (Geist/Wind   Hoffnung; 2005)
© Kurt-Willi Julius

Katharina Natalie Eitel

(geb. 1946 in Marburg an der Lahn; lebte in Marburg an der Lahn; gest. 2016)
Die Installation von Katharina Natalie Eitel besteht aus mehreren Teilen.
Sie ist nach umfangreichen Studien des Raumes sowie des Lichteinfalls
zu bestimmten Tageszeiten speziell für den ausgewählten Standort in
der Synagoge Vöhl konzipiert worden.
Da ist zunächst der große runde Spiegel, der durch das geöffnete
Fenster das „Himmlische“, die von Gott gelenkte Bewegung der Wolken
und Gestirne in den Innenraum der Synagoge holt. Dieser Spiegel
ermöglicht es aber auch, den Synagogenhimmel als tiefe, grubenhafte
Erweiterung im Boden zu sehen, wenn man nur um ihn herumgeht.
Der Spiegel ruht auf Teilen eines zerbrochenen Davidsterns, die
gleichzeitig die Verbindung zu einem anderen zentralen Element der
Arbeit herstellen. Ein in einem Segment des Davidsterns integrierter
dreieckiger Spiegel reflektiert ein darüber aufgebautes Segel, das auch
Flügel symbolisiert. Zusammen mit einem Glasquader und dem
Sternenbrett erscheint für die Vorstellung ein Schiff, das die Hoffnung
(hebr.: tikwa) trägt.
Über allem schwebt „ruach“, der Geist, der Wind, der durch den Vogel
vor blauem Hintergrund auf der großen, senkrecht gestellten Glasplatte
ausgedrückt wird. Dieser Vogel, entnommen einer früheren Arbeit zu
Ehren von Else Lasker-Schüler, entstand durch Montage der
Buchstaben des Wortes „ER“ (= Gott) in einem Text Martin Bubers.
Seine Form bildete sich überraschenderweise, als Folien von Fotografien
des Wortes, aus verschiedenen Richtungen aufgenommen,
übereinander gelegt wurden.

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Emde, Thomas



  ohne Titel (2005)
  © Kurt-Willi Julius

Thomas Emde

Wurde 1959 in Korbach geboren und lebt in Frankfurt am Main. Später erwarb die Familie Emde den
stillgelegten Bahnhof Itter an der Bahnlinie von Korbach nach
Frankenberg (Eder).
Thomas Emde wusste bis zu seinen ersten Kontakten mit dem
Förderkreis „Synagoge in Vöhl“ e.V. nicht, dass von diesem Bahnhof aus
am 6. September 1942 die letzten Vöhler Juden in die Vernichtungslager
im Osten deportiert worden waren. Dieses „neue“ Wissen und die
Betroffenheit darüber waren gewichtige Gründe für ihn, sich mit einem
Objekt an der Ausstellung zu beteiligen.
Die Arbeit von Thomas Emde zeigt Tag und Nacht, die sich augenförmig
um den Stern legen. Der Tag enthält Elemente der Nacht und
umgekehrt. Man kann auch andere Begriffspaare assoziieren: licht und
dunkel, gut und böse etc..
Der große Lichtarchitekt Emde, Erdenker von zahlreichen gelobten
Lichtinstallationen in und an zentralen öffentlichen und privaten
Gebäuden nicht nur in Deutschland, kehrt mit dieser Arbeit zu der
Technik zurück, die ihn zu einem der gefragtesten Künstler machte. Er
benutzt Farbe nicht nur als Ausgangsmaterial zum Erstellen eines
Bildes, er lässt Farbe selbst zum Gegenstand werden. Farbe wächst,
lebt aus sich selbst heraus. Durch Mehrfachauftrag selbst entwickelter
und angemischter Farben, die mit Rollen verschiedener Härte
aufgetragen werden, entstehen hier Farblandschaften, die an Flechten
oder Pilzmycelien erinnern. Jede der beiden Seiten baut sich dabei aus
etwa 350 Farbschichten auf.
Das Klebestreifenkreuz hat Emde, ganz im Sinne eines „Beuys’schen
Relikts“ auf dem Brett belassen. Tatsächlich hatte damit der Restaurator
für den Schreiner die Bretter gekennzeichnet, die auf Grund ihres hohen
Schädigungsgrades zu entfernen und ersetzen waren.


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Julius, Kurt-Willi



  morgen - ge-stern (2005)  (Stern ohne Himmel auf israelischer Erde)
  © Kurt-Willi Julius


Kurt-Willi Julius

(*1953 in Frankenberg an der Eder, lebte in Vöhl- Kirchlotheim, und dort am 8.3.2014 gestorben)
Die Arbeit von Kurt-Willi Julius wurde inspiriert durch Micha Ullmans
unter einer Glasplatte sichtbare unterirdische Bibliothek auf dem
Bebelplatz in Berlin. Ihre Regale sind leer.
Dort, in der Mitte des Bebelplatzes (damals Opernplatz) verbrannten am
10. Mai 1933 nationalsozialistische Studenten rund 20000 Bücher von
Hunderten von Autoren. Dies sollte den Höhepunkt einer von
Propagandaminister Joseph Goebbels angeordneten "Aktion wider den
undeutschen Geist" bilden.
Ein Loch im Boden, eine Grube, prägt viele der Werke Micha Ullmans.
Sein Ausspruch: „Wer eine Grube gräbt, erweitert den Himmel“ wurde in
der Arbeit von Julius aufgegriffen. Über der vom Schmiedemeister
Heinrich Figge aus Höringhausen angefertigten metallenen „Grube“.
wölbt sich der hölzerne Synagogenhimmel. Eines der Himmelsbretter,
ein „Stern ohne Himmel“, ist zentrales Element der Ausgestaltung der
Grube.
Darum gruppiert finden sich Spiegelscherben, die von bestimmten
Betrachtungspunkten aus zentrale Elemente des Synagogenraumes
spiegeln, etwa den Leuchter, den Mond (oder ist es die Sonne?) in der
Mitte der Kuppel, das runde Fenster mit Davidstern. Die Scherben
erinnern an die Geschehnisse der Pogromnacht, spiegeln aber zugleich
die Jetztzeit wider, die Veränderungen, die der Sakralraum durch die
Renovierungs- und Restaurierungsmaßnahmen erfährt.
Sternenbrett und Scherben liegen in einem Bett von Erde aus Israel.
Diese Erde wurde am 12. Mai 2005 mit den Händen aus dem
Rosengarten entnommen, den Gerda Rothschild ihrem Mann Richard an
diesem Tage zu seinem 100. Geburtstag schenkte. Beide waren 1935
aus Deutschland nach Israel ausgewandert und leben in Asseret südlich
Tel Aviv. Erinnerungen an Richard Rothschild, den wohl ältesten noch
lebenden in Vöhl Geborenen überhaupt, sind zahlreich. Durch die Erde,
samt Steinchen, Samen und Pflanzenresten soll die enge Verbindung zu
ihm durch eine dauerhafte Erinnerung an ihn wach gehalten werden, so
lange es geht. Denn: alles ist vergänglich: das Brett wird weiter zerfallen,
der Metallkasten rosten, und die Erde…. (?)
Rund um den Metallbehälter wurden die sieben Tugenden in Stein
graviert. Julius sieht sie als Begriffe an, die sich in den meisten Kulturen
und Religionen so oder in ähnlicher Formulierung wiederfinden und die
Maßstäbe für ein an gegenseitiger Achtung und Toleranz orientiertes
Zusammenleben von Menschen bilden.


© Monika Bunk

© Kurt-Willi Julius

sechs Begriffe sind fertig gestellt; Mai 2005
© Kurt-Willi Julius


der Metallkasten, gestiftet vom Schmiedemeister Heinrich Figge
© Kurt-Willi Julius


Die Erde in der Arbeit von Kurt-Willi Julius stammt aus dem Rosengarten, den Gerda ihrem
Mann Richard Rothschild zum 100. Geburtstag schenkte; 12. Mai 2005
© Karl-Heinz Stadtler

© Kurt-Willi Julius

Kaminski, Vered



ohne Titel (2005)
© Kurt-Willi Julius

Vered Kaminski

(*1953 im Kibbuz Revadim (Israel); lebt in Jerusalem)

ist eine der renommiertesten Schmuckdesignerinnen Israels. Ihre
Arbeiten entstehen vor allem aus den Materialien Metall und Stein. Sie
wurden auf zahlreichen Ausstellungen in Israel und anderen Staaten
gezeigt und vielfach mit Preisen bedacht.
Vered Kaminski greift immer wieder die Thematik des Zerlegens und
Neu- Zusammensetzens auf. Sie zerlegt Materialien gedanklich und reell
in ihre Bestandteile und besitzt die Fähigkeit, den Fokus beim Bearbeiten
auf für viele Menschen unsichtbare Dinge zu konzentrieren. So wird das
Ausgangsmaterial ganz auf seine Strukturelemente, Form und Farbe
reduziert. Es bilden sich erdachte spirituelle, visuell vorstellbare und
schließlich eine Idee von materiell realisierbaren Objekten heraus.
Viele ihrer Arbeiten sind durch Wiederholungen und Verästelungen
geprägt, manche erinnern an M.C. Escher.
Das Thema des Zerlegens in sich wiederholende Muster greift sie auch
in ihrer Arbeit für die Synagoge Vöhl auf. Sie nimmt den kleinen
goldenen Stern als Muster, das sie auf dem gesamten Himmelsbrett in
erdenkbaren Endlosreihen strukturiert vervielfältigt.
Nach dem Zersägen des Brettes entstand ein aus drei Teilen
bestehendes Objekt. Da ist zunächst das noch vollständig flächenhaft
erhaltene, aber bereits zersägte Brett. Es wird in ihrer Arbeit fotografisch
erinnert, auch das Sägemehl und Holzstaub aus den Wurmlöchern
fehlen nicht. Dann zerlegt sie das Brett in eine Positiv- und eine
Negativform, die auf Glasplatten aufgeklebt werden. Die Positivform wird
aus den Sternen gebildet, die Negativform aus den zwischen ihnen
herausgesägten Holzresten.
Es eröffnen sich völlig neue Perspektiven auf das Sternenbrett und den
hohen Grad seiner Zerstörung. Wohl 25% der ursprünglichen Holzmasse
ist durch Wurmbefall zerstört worden. Das Alte, die Vergangenheit wurde
in Bestandteile zerlegt und zu etwas wunderbar Neuem
zusammengefügt, das zugleich die Wunden der Vergangenheit zeigt.
Für Vered Kaminski stellte es eine große Herausforderung dar, dieses
geschädigte Stück Holz aus einer Synagogenkuppel zu bearbeiten. Die
Arbeit stellte hohe physische und psychische Anforderungen. Nötige
Sorgfalt beim Zersägen –kein Teil sollte verloren gehen- und Wieder-
Zusammensetzen erforderten einen enormen Zeitaufwand. Tote
Holzwürmer und unangenehmer Geruch erschwerten die Arbeit.
Ihr Wunsch, an der Ausstellung teilzunehmen, war letztlich Antrieb
genug, alle Hindernisse zu überwinden.

E-Mail-Interview mit Vered Kaminski
Dear artists taking part at the exhibition in Voehl,
as a staff member of the local newspaper I write about the upcoming art exhibition in
the synagogue. Would you mind answering the three following questions? This short
E-Mail-Interview will help as you won't be at the opening personally. Thank you very
much for your help.
1. Painted boards from a synagogue in Germany as basics for works of art - what
was your first thought, when you heard about this exhibition?
I saw it as an opportunity to link personally to the Shoah, through my
work; the Shoah as a collective Jewish experience and as a personal
experience as concerns much of my family who were exiled and
murdered.
2. Has your decision to participate first of all a religious, political or artistic
background?
Artistic.
3. To use a German synagogue for cultural performances or events like in Voehl
- do you think this is the right way for this kind of buildings with such a highly
symbolic nature?
I am very much in favor of using a German synagogue like this - I am
completely secular/non-religious and there are virtually no Jews left in
Voehl anyway - better to leave the synagogue and use it in this way as a
symbolic living Jewish presence.
Kind regards,
yours
Thomas Kobbe
Waldeckische Landeszeitung - Frankenberger Zeitung
Lokalredaktion, Lengefelder Straße 6, 34497 Korbach


© Kurt-Willi Julius

Jerusalem, 11. Mai 2005
© Kurt-Willi Julius


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Karavan, Dani



  ohne Titel (2005) © Kurt-Willi Julius

Dani Karavan

(*1930 in Tel Aviv, lebt in Paris und Israel)
war 1977 und 1987 Teilnehmer der Documenta 6 bzw. 8 und wurde
2004 mit dem „Piepenbrock Preis für Skulptur“ ausgezeichnet, die mit
50.000 Euro höchstdotierte Ehrung für einen Bildhauer in Europa.
Viele seiner Arbeiten setzen sich künstlerisch mit der Shoah
auseinander.
Eines seiner Interessengebiete ist die untergegangene Welt der
polnischen Holzsynagogen. So war es ihm eine gerne angenommene
Aufgabe, ein Brett aus einer Fachwerk- (= Holz-)synagoge künstlerisch
zu bearbeiten.
Diese Aufgabe erwies sich als nicht leicht. Mehrere Gestaltungsideen
wurden verworfen. Dann entschied Karavan, eine exakte Kopie jenes
Davidsterns anzufertigen, der als „Judenstern“ erst polnischen, dann
deutschen und allen anderen Juden von nichtjüdischen Deutschen
angeheftet wurde, um sie durch dieses Zeichen zu brandmarken, für die
Verfolger erkennbarer zu machen. Karavan recherchierte genau,
besorgte sich Unterlagen mit den genauen Maßen und fertigte diesen
Stern aus Stoff an. Auch das Wort „Jude“ wurde vorbildgetreu mittig auf
den Stern geschrieben, der Stern dann auf das Brett aufgeklebt.
Karavan in einem Telefongespräch: „Das war zu hart, kaum zu ertragen.“
Nach verschiedenen Gesprächen, u. a. mit seiner Tochter, entschied er,
das Wort „Jude“, wie auch den schon auf dem Brett befindlichen 8-
strahligen Stern vom Vöhler Synagogenhimmel golden zu übermalen.
Eine neue, hellere, „goldenere“ Zeit, eine Normalisierung und
Verbesserung der Beziehungen zwischen Juden und anderen Völkern
wird erhofft, erscheint möglich bei gegenseitiger Achtung und Toleranz.
Aber Sorgfalt und Wachsamkeit sind geboten. Das Alte verbirgt sich
unter einer Hoffnung machenden schimmernden Oberfläche. Aber wie
leicht könnte diese Oberfläche angekratzt und das Verborgene erneut
sichtbar werden.
„Verborgenes wird sichtbar“, dies ist an anderen Stellen des Brettes
bereits geschehen: die verschiedentlich fragmentarisch auftauchende
dunklere blaue Farbe stammt von einem früheren Anstrich, der bereits
um 1900 durch ein helleres Blau ersetzt wurde.


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Koksch, Roman



ohne Titel (2005)
© Kurt-Willi Julius

Roman Koksch

geboren 1952 in Kirberg; lebt in Korbach

holt den Himmel auf die Erde. Seine Arbeit thematisiert gleichermaßen
die Verletzungen, die das Verhältnis von deutschen Nichtjuden zu Juden
in aller Welt durch die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten
erlitten hat und eine neu aufkommende Stabilisierung der Beziehungen.
Symbolisiert durch die Nägel, die spitz und pfeilartig nach oben weisen,
aber auf schmalen Fundamenten - den Köpfen der Nägel – stehen, ist
dieses Verhältnis noch recht fragil, jederzeit gefährdet, aus dem
Gleichgewicht zu geraten.
Ein weiteres Symbol für die Hoffnungen in die Zukunft, aber auch die
Unsicherheiten über das, was sie bringen wird, ist der illuminierte
Metallstreifen. Kleine Löcher leuchten als helle Sterne am Nachthimmel,
aber dieser Himmel trägt Anflüge von Rost, der ohne die gebotene
Sorgfalt leicht die Zerstörung herbeiführen kann.
Die mit den Köpfen nach oben weisenden Nägel bilden einen
Davidstern, der sich aber nur zeigt, wenn man das Muster, dort
betrachtet, wo die Nägel das Brett durchbohren. Zu unterschiedlich sind
die Einschlagswinkel, um das Zeichen sofort erkennen zu lassen.
Roman Koksch betont, dass er lange zögerte, Nägel durch das Brett zu
schlagen. Es fiel ihm leichter, als er die bereits vorhandenen Nägel
entdeckte, die er durch teilweises Herausziehen sichtbarer machte.


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Nele, E. R.



Die letzten Aufrechten (2004)
© Kurt-Willi Julius

E. R. Nele
Die letzten Aufrechten (2004)

*1932 in Berlin
lebt in Frankfurt (Main)
E. R. (Eva René) Nele ist die Tochter von Arnold Bode, dem Initiator und Gründer der
documenta.
Der kursiv gedruckte, erste Teil des folgenden Textes ist der Ansprache von Gunnar
Richter (Kassel) am Mahnmal "Die Rampe" von E. R. Nele in Kassel am 28. März
2005 entnommen.
Am 8. Mai 1985, am 40. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung vom
Nationalsozialismus wurde in Kassel auf dem Gelände der
Gesamthochschule/Universität das Mahnmal "Die Rampe" eingeweiht. In einem Brief
an Esther Haß (Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Kassel und
Stadträtin) schilderte E.R. Nele einmal ihre persönlichen Beweggründe dafür, dieses
Mahnmal zu schaffen. (Die gleichen Beweggründe gelten auch für ihre Arbeit „Die
letzten Aufrechten“ für die Synagoge Vöhl):
"Als Kind lebte ich oft bei meinen Großeltern, die eine Zimmerei betrieben hatten.
Diese lag ganz in der Nähe der Henschel-Betriebe. Abends (während des Zweiten
Weltkrieges, G. R.) wurden die russischen und polnischen Gefangenen, die in den
Henschel-Betrieben arbeiteten, am großen Tor des Zimmerei-Betriebes
vorbeigetrieben, von bewaffnetem Personal (...) bewacht. Sie waren jeden Abend auf
dem Rückweg in ihr Lager auf dem Hegelsberg. Diese Menschen mit Lappen um die
Füße, ausgemergelt, (...) " ein trauriger, grauer, endloser Zug.
Meine Mutter steckte ihnen heimlich Brot und Wurst durch das Tor zu, viele Abende.
Eines Abends steckte einer der Russen etwas durch das Tor zurück, ein Lumpen-
Päckchen; und als wir es öffneten, war darin ein aus Holz geschnitzter Vogel, ganz in
der traditionellen Art russischer Volkskunst. Irgendwann wurden die Russen verlegt;
sie kamen nicht mehr am Tor vorbei.
Viele Jahre später, ich las die Bücher von Jorge Semprun, kam mir die Erinnerung an
dieses Erlebnis."
Jorge Semprun ist ein spanischer Widerstandskämpfer, der in den 30er Jahren nach
Paris floh, dort an der Resistance teilnahm und 1943 in das KZ Buchenwald
deportiert wurde. Über seinen Verfolgungsweg veröffentlichte er in den 60er Jahren
sein erstes Buch mit dem Titel "Die große Reise". "Die große Reise" das ist die
fünftägige Fahrt in einem Güterwaggon, in dem Jorge Semprun und 118 weitere
Gefangene aus Frankreich in das KZ Buchenwald deportiert werden. Die grausamen
Bedingungen auf dieser Fahrt - ohne Essen, im Stehen - bildet den Rahmen, in dem
Jorge Semprun seine Erlebnisse während der Verfolgung bis zu seiner Befreiung
und der Nachkriegszeit schildert.
E.R. Nele war durch diese Schilderungen offenbar tief beeindruckt und bewegt.
Obwohl ihr persönlicher Bezug über das Leiden der ehemaligen Zwangarbeiter und
Zwangsarbeiterinnen entstanden ist, hat sie dieses Denkmal zur Erinnerung an alle
Deportierten, Verfolgten und Ermordeten geschaffen.
So greift auch ihre Arbeit für Vöhl das Motiv der gebeugten, unterdrückten Kreatur
auf. Die das Brett tragende Gruppe kleiner Metallfiguren - geschundener Menschen -
entstammt den Studien für eine früher in Frankfurt realisierte Arbeit zum Holocaust.
Bei ihrem Besuch in Vöhl erwähnte E.R. Nele, dass sie hier auch die Todesmärsche
assoziiert.
Neu ist der zum Sternenbrett gereckte Arm. Gebeugte Köpfe und Körper, aber ein
ungebeugter Geist und Wille sind von vielen Opfern des Holocaust überliefert; vgl.
u.a. das szenische Stück über Viktor E. Frankl: „Und trotzdem Ja zum Leben sagen“.
Der Himmel birgt Hoffnung, das Brett zeigt nach oben. Aber: so zweideutig diese
Aussage ist, so fragil ist auch die Hoffnung: das Brett erzittert bei der geringsten
Berührung, man fürchtet, der Arm könne abbrechen.
Das von E. R. Nele für die Präsentation gewünschte Bett aus Sand kommt von den
kanarischen Inseln. Die Feuer der Vulkane hinterlassen ihre Asche als schwarzen
Sand an den Stränden von La Palma.
E. R. Nele hatte so großen Respekt vor dem Himmelsbrett, dass sie die die zuerst
erwogene Befestigung mittels zweier Schrauben verwarf und eine geschickte
Metallspangen-Klemmvorrichtung konstruierte, die vom Holzwurmbefall her
vorhandene Löcher ausnutzt.


© Kurt-Willi Julius

E.R. Nele übergibt ihr Werk an den Förderkreis-Vorsitzenden Kurt-Willi Julius;
Vöhl, Juli 2004
© Kurt-Willi Julius


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Niedecken, Wolfgang


Drei Nägel und ein Stück vom Himmel (2005)
© Kurt-Willi Julius

Wolfgang Niedecken

*1951 in Köln; lebt in Köln

Drei Nägel und ein Stück vom Himmel (2005)

Wolfgang Niedecken hat von 1970-1974 an der FHBK Köln das Studium der Freien
Malerei absolviert und bei Prof. Dieter Krämer examiniert. Das Studium der
Kunstgeschichte an der Universität Bonn folgte ab 1975. Unzählige Ausstellungen
des Künstlers Niedecken fanden seit Anfang der 70er Jahre statt, u. a. in der
Städtischen Galerie im Lenbachhaus München und im Museum Moderner Kunst in
Wien. Zuletzt präsentierte die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik
Deutschland in Bonn 2004 unter dem Titel „Spuren“ einen eigens für diese Schau
zusammengestellten Zyklus neuerer Arbeiten von Wolfgang Niedecken.
Zwar hatte Niedecken schon musikalische Erfahrungen in einigen Schülerbands
gesammelt, aber dann bis 1976 eine musikalische Pause eingelegt. Die erste
Langspielplatte mit BAP erschien erst 1979. Schon bald nahm Niedecken eine
Spitzenstellung unter den deutschen Musikern ein. Seitdem müssen Niedecken und
BAP zu den Künstlern gezählt werden, die sich in Liedtexten und Aktionen immer
wieder aktiv gegen Fremdenhass, Intoleranz und Rechtsradikalismus einsetzen. So
thematisierte Niedecken in „Kristallnaach“ bereits 1982 ein Wieder-Erkeimen rechter
Strömungen. Diese Hit-Single erreichte, wie später das Mitwirken an der Kampagne
„Arsch huh , Zäng ussenander“, breite Schichten von Jugendlichen.
Als Niedecken sich „sein Brett“ in Vöhl abholte, nahm er interessiert und konzentriert
die Arbeit des Förderkreises Synagoge wahr. Er schrieb in sein Internet-Tagebuch:
„29.03.2004 Kassel - Off Day
... In Kassel angekommen geht es dann weiter ins ca. 60km entfernte Vöhl, wohin
mich eine Gruppe von Leuten eingeladen hatte, die in Eigeninitiative eine seit den
dreißiger Jahren leer stehende Synagoge renoviert. Ihre Bitte ist, dass ich eines der
während der Renovierung entnommenen und ersetzten Bretter zu einem …
Kunstwerk verarbeite. Fand diese Idee vor Monaten auf Anhieb unterstützenswert
und hatte geantwortet, dass ich bei Gelegenheit auf der Matte stände.
Bewundernswert, was diese Leute in ihrer Freizeit auf die Beine stellen, ohne
jegliche Aussicht auf irgendeinen materiellen Vorteil, nur weil sie sich des dunkelsten
Kapitels deutscher Geschichte bewusst sind, fest entschlossen, kein Gras darüber
wachsen zu lassen. Respekt. …“
Diesen freundlichen Respekt scheint Niedecken auch mit seiner Arbeit ausdrücken
zu wollen. Die vielen Staniolsterne aus Wein- und Sektflaschenverschlüssen
entsprechen wohl seinem Wunsch nach „neuen Sternen“ für den Vöhler
Synagogenhimmel ebenso, wie der Hoffnung auf ein besseres Verhältnis zwischen
den Kulturen und Religionen.
Drei Nägel, die sich im Brett befanden, hat Niedecken abgeschnitten. Sie wurden am
originalen Ort auf Tina Niedeckens Fotografie der Brettrückseite befestigt und geben
der Arbeit ihren Titel.
Nach einer Idee zum Umgang mit dem Brett gefragt, hatte Niedecken 2004 in Vöhl
geäußert: „Ich arbeite viel mit Fundstücken. Das, was ich hier erlebe, muss erst
sacken. Schließlich hat das Brett über viele Jahre hinweg von dort oben auf so vieles
herab gesehen; auf Gutes und Schönes, aber auch auf Not, Angst und Furcht vor
Schlimmem.“ Entstanden ist eine Arbeit, die Optimismus und neue Perspektiven
aufzeigt.


© Kurt-Willi Julius

Wolfgang Niedecken besucht die Synagoge Vöhl; 29.03.2004
© Martina Biedenbach


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius


 
© Kurt-Willi Julius

Parker, Ulrike und Hafiz


© Kurt-Willi Julius
von einem anderen Stern / from another planet (2005)

Ulrike Parker
*1956 in Wuppertal
Hafiz Parker
*1961 in Blenheim (Neuseeland);
leben in Wuppertal  

Hafiz & Ulrike Parker repräsentieren „Down Under“

Hafiz wurde 1961 in Blenheim, Neuseeland geboren und Ulrike 1956 in Wuppertal.
Nach ihrer Heirat 1984 in Neuseeland lebten sie lange Jahre in Neuseeland und
Australien und England und sind zur Zeit in Wuppertal und Umgebung tätig.
Ulrike unterrichtet Kunst und Englisch in Remscheid. Sie fühlte sich bereits von klein
auf durch Hobby- und professionelle Maler im Familien- und Freundeskreis zur Kunst
angeregt und graduierte 1979 als Kunstlehrerin an der Justus Liebig Universität in
Gießen.
Seit der Ausbildung war sie in vielen Bereichen tätig, als Lehrerin, in der Industrie
und im Bankwesen und sogar als Straussenfarmerin und natürlich als freischaffende
Künstlerin mit „Bhakti Art“.
Ulrike probierte über die Jahre viele verschiedene künstlerische Techniken und
Medien aus und kam 1994 zu einem Durchbruch in der Malerei, als sie die Tempera-
Schichten-Technik bei einem Kursus in Neuseeland kennen lernte, welche auch in
diesem Bild verwendet wurde.
Sie begann Kurse in Neuseeland, Australien und Amerika zu geben und beteiligte
sich 2000 erfolgreich an einer Ausstellung in Brisbane, Australien. 2003 hatte sie
eine Vernissage in Solingen. Die Mehrzahl ihrer bisherigen Bilder sind in
Neuseeland entstanden, doch wurden einige auch auf Reisen in die USA, Kanada,
Spanien, Australien und Deutschland gemalt.

„Von einem anderen Stern/From another Planet“
Die Maltechnik
Das Bild wurde gemeinsam von Hafiz und Ulrike mit Temperafarbe über mehreren
Lagen gemalt. Hafiz hat zunächst drei Lagen gemalt durch welche das Motiv
entstanden ist und Ulrike hat das Bild so wie es jetzt zu sehen ist fertiggemalt.
Bei dieser Technik entsteht das Motiv aus dem Unterbewusstsein ohne vorherige
Planung und wird durch das Leben des Künstlers/der Künstlerin inspiriert, durch die
jeweiligen Stimmungen, Eindrücke und Erlebnisse.
In diesem Fall haben wir den Stern von Anfang an in das Bild mit einbezogen.
Bei jedem Menschen entstehen ganz verschiedene, eigene Gemälde mit ganz
unterschiedlichen Farben und Motiven mit Hilfe dieser Technik. Jedes Bild ist eine
Überraschung, wenn es entsteht.
Der Rahmen dieses Bildes ist aus echtem einheimischem neuseeländischen Rimuholz und ist mit Hilfe unseres Freundes und Zauberkünstlers Helmut Link entstanden, der ihn wahrhaft aus ein paar Brettern gezaubert hat, mit denen wir mal eine Überseekiste zugenagelt hatten.


© Kurt-Willi Julius

Das erste Bild von Hafiz
© Ulrike Parker


Nach dem Abwaschen entsteht das zweite Bild
© Ulrike Parker


Das zweite Bild von Hafiz
© Ulrike Parker


Das zweite Bild wird abgewaschen
© Ulrike Parker


Das dritte Bild von Hafiz
© Ulrike Parker


Ulrike und Hafiz Parker
© Kurt-Willi Julius


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Reinl, Reta


kleines großes Zelt, schimmernd (2005), ©Kurt-Willi Julius

Reta Reinl
kleines großes Zelt, schimmernd (2005)

*1960 in Frankenberg (Eder)
lebt in Lichtenfels-Sachsenberg


Reta Reinl über ihr Kunstwerk:
„Seit dem ersten
Betreten der Synagoge ich fasziniert vom Sternenhimmel in der Kuppel der Synagoge. Der Sternenhimmel als Versuch das Universum nachzubilden veranlasste das Nachdenken über Religion. Jede Religion könnte verstanden werden als Versuch, Weite, Unfassbares, Ahnen und Staunen beschützt und greifbarer zu machen.

Die Synagoge mit Sternenhimmel und rotem Sandsteinboden ist eine wunderbare Metapher für Menschen auf Wander-schaft. Ein Sinnbild für das Leben als Auf-dem-Weg-sein, auf der Suche im Universum.
Der dunkle Aspekt, dass besonders Juden oft auf Wanderschaft und Flucht waren, ver-stärkt Wirkung und Bedeutung des Raums, fordert Achtung vor jedem, der versucht auf dem Weg oder der Flucht Würde zu behalten und Hoffnung.
Das erinnert (in der Synagoge) an die vergangenen Lebenswege der sechs Millionen Juden und all derer, die ihren Weg nicht frei suchen konnten.
Die Idee des Verteilens der Sternenbretter an Künstler von allen Kontinenten vergegenwärtigt die verschiedenen Wege unterm Sternenzelt, auf denen Menschen überall auf der Welt heute sind. Das sagt der Titel „kleines großes Zelt, schimmernd" der Sternenbrettinstallation aus. Gerissene Papiersterne, zwischen denen gelbe und schwarze Pigmente schimmern, hängen an zarten Kupferdrähten und bilden einen Raum (ein Zelt).
Auf dem 175-jahre alten Synagogenbrett stehen die Zeilen aus einem Gedicht von Hans Carossa: „Viel Wanderer gehen fern im Sternenschimmer. Und mancher noch ist auf dem Weg zu dir."
Menschen und Aspekte schimmern wie Sterne. Sie reflektieren Licht und Aufmerksamkeit. Vielleicht sagt die Arbeit ein wenig über den Griff nach dem unfassbar Schwebenden, das Begreifen von gelbem und schwarzem Sternenstaub.
Das kleine Hufeisen im 7-fach gebrochenen Bodenstein hat Marcel Pinas, Künstler aus Surinam, im Synagogenboden gefunden als er mir beim Aufbau der Installation behilflich war. Alle waren erstaunt über diesen Fund. Niemand hatte bei den Renovierungsarbeiten zuvor etwas im Boden gefunden. Sie sahen es als Glückssymbol und so wurde das Hufeisen in die Installation integriert.

Das Tesakreppkreuz, mit dem der Restaurator das morbide Brett für den Rausriss aus dem Sternenhimmel markierte, wurde in einen der Papiersterne eingearbeitet.“


©Kurt-Willi Julius

©Kurt-Willi Julius

der in 7 Teile zerbrochene ausgesuchte Stein; April 2005
© Kurt-Willi Julius


Reta Reinl beim Aufbau; 24. Mai 2005
© Walter Schauderna


©Kurt-Willi Julius

©Kurt-Willi Julius

©Kurt-Willi Julius

©Kurt-Willi Julius

Rothschild, Miguel (K)



Und die Nacht war dunkel und erhellte die Nacht (2005)
© Kurt-Willi Julius

Miguel Rothschild

(*1963 in Buenos Aires; lebt in Berlin)
ist ein Künstler, der sich in Argentinien und Spanien durch zahlreiche
Ausstellungen bereits einen viel beachteten Namen gemacht hatte,
bevor er nach Berlin übersiedelte und sich in der deutschen Kunstszene
etablieren konnte. Er ist Enkel eines aus Vöhl stammenden Juden. So
stellte es für ihn eine besondere Herausforderung und Motivation dar, an
diesem Projekt teilzunehmen.
Seine erste Reaktion, nachdem er das Brett erhalten hatte: „Es ist
wundervoll!“ Dann begann eine lange und schwierige
Auseinandersetzung mit dem Material und dem Ort und der Geschichte
seiner Herkunft, zugleich Ort der Herkunft von Rothschilds Vorfahren, die
diesen verlassen mussten, um zu überleben.
„Und die Nacht war dunkel und erhellte die Nacht“ zeigt einerseits dunkel
schimmernde Wolken, durch die sich leuchtend das Licht eines Sterns
bricht. Aber es zeigt auch dunkle Schatten, Rauchschwaden, ein
vielleicht verkohltes Stück Holz, auf das der Widerschein der Feuer der
in der Pogromnacht zerstörten Synagogen fällt.
Noch etwas Besonderes ist auf diesem Brett zu entdecken: bis etwa ins
Jahr 1900 hinein war der Synagogenhimmel in einem dunkleren Blau
gestrichen (das z. B. auf dem Brett, das Dani Karavan bearbeitete, noch
zu erkennen ist). Die Sterne waren damals nicht aufgemalt, sondern aus
Papier geschnitten und aufgeklebt. Bei genauer Betrachtung kann man
am Himmel der Synagogenkuppel noch mehr als 10 dieser Papiersterne
unter dem helleren Blau erblicken. Auf dem von Miguel Rothschild
bearbeiteten Brett befindet sich nun einer dieser Papiersterne genau
unter dem neueren, aufgemalten Stern.
Miguel Rothschild: (Antworten im E-Mail-Interview; vgl. folgende Seite)
1. Ich dachte, dass diese Sternbretter einen ganz besonderen Inhalt
und Stärke hatten und dass es sehr schwer sein wird eine Arbeit
daraus zu machen.
2. Es hatte einen familienhistorischen Hintergrund. Mein Großvater
und seine Vorfahren wurden in Vöhl geboren.
3. Ich finde, es ist sehr passend die Synagoge für Kulturevents zu
nützen, die eine Verbindung zur Geschichte Deutschlands und zum
Judentum haben. Die Symbolik des Ortes kann eine Ausstellung
verstärken, deswegen finde ich es interessant, wenn die Symbolik
des Ortes im Konzept der Ausstellung wahrgenommen wird.

E-Mail-Interview mit Miguel Rothschild
Dear artists taking part at the exhibition in Voehl,
as a staff member of the local newspaper I write about the upcoming art exhibition in
the synagogue. Would you mind answering the three following questions? This short
E-Mail-Interview will help as you won't be at the opening personally. Thank you very
much for your help.
1. Painted boards from a synagogue in Germany as basics for works of art - what
was your first thought, when you heard about this exhibition?
2. Has your decision to participate first of all a religious, political or artistic
background?
3. To use a German synagogue for cultural performances or events like in Voehl
- do you think this is the right way for this kind of buildings with such a highly
symbolic nature?
Kind regards,
yours
Thomas Kobbe
Waldeckische Landeszeitung - Frankenberger Zeitung
Lokalredaktion, Lengefelder Straße 6, 34497 Korbach

Übersetzung:

Liebe an der Ausstellung in Vöhl teilnehmende Künstler,
ich bin Mitarbeiter der Lokalzeitung und schreibe über die bevorstehende
Kunstausstellung in der Synagoge. Würde es Ihnen etwas ausmachen, die drei
folgenden drei Fragen zu beantworten? Dieses kurze E-Mail-Interview wird hilfreich
sein, da Sie bei der eröffnung nicht persönlich anwesend sein werden. Ich danke
Ihnen sehr für Ihre Mitarbeit.
1. Bemalte Bretter aus einer Synagoge in Deutschland als Ausgangsmaterial für
Kunstwerke – welches war Ihr erster Gedanke, als Sie von dieser Ausstellung
hörten?)
2. Hatte Ihre Entscheidung teilzunehmen in erster Linie religiöse, politische oder
künstlerische Gründe?)
3. Eine deutsche Synagoge für kulturelle Veranstaltungen oder Ereignisse zu
nutzen wie in Vöhl – denken Sie, dass das der richtige Weg für Gebäude mit
solch einem wichtigen symbolischen Charakter ist?)
Freundliche Grüße,
Ihr
Thomas Kobbe
Waldeckische Landeszeitung - Frankenberger Zeitung
Lokalredaktion, Lengefelder Straße 6, 34497 Korbach


Hier der Link zum Eintrag im Personenverzeichnis „Juden in Vöhl“

Rothschild, Miguel



© Kurt-Willi Julius

© Rainer Herfurth

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

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Schmitt, Gabriele C.



ohne Titel (2005)
© Kurt Willi Julius

Gabriele C. Schmitt

(*1948 in Karden an der Mosel; lebt in Weimar an der Lahn)

Als ich im Sommer 2004 "mein" Brett von Barbara Küpfer bekam und
mich dieser besonderen Aufgabe näherte, entwickelten sich einige
Aspekte und Überlegungen relativ rasch:
1. Ich wollte mit Ton arbeiten, weil er das Material ist, mit dem ich mich
am liebsten "ausdrücke".
2. Das Brett wollte ich nicht verändern.
3. Der einzige Stern auf dem Fragment sollte nicht alleine bleiben.
Gedanken wie "einen Rahmen finden" oder "Schutz geben" kamen
später, ebenso die Idee mit einem Text zu arbeiten. Von daher ergab
sich anschließend immer stärker die Vision einer großen Platte, die
einerseits wie ein Schriftstück wirken und gleichzeitig die schützende
Umgebung für das Brett darstellen sollte.
Das Schützenwollen erfährt allerdings einen Widerspruch, denn mein
aus Ton gefertigter Rahmen ist zerbrochen. Die Idee des Risses findet
sich, wie bei meinem Gedenkstern für die Synagoge Roth (1998), auch
hier wieder. Es ist etwas nicht mehr heil ..... die Freundschaften der
jüdischen und christlichen Nachbarn, die Verbindung der Überlebenden
zu ihrer Heimat... . Hier sind viele Assoziationen möglich, die ich dem
Betrachter meiner Arbeit überlassen möchte.
Der einzige Stern, den man über Jahrzehnte von unten her betrachten
konnte, liegt nun auf der Erde und wie zur Versöhnung habe ich, wenn
auch kaum sichtbar, zwei weitere Sterne in die Platte geritzt ... zart,
zurückhaltend, aber doch vorhanden. Man muss sie nur entdecken!
Es gibt viele Lieder und Texte, die den Himmel und/ oder die Sterne
beschreiben und nach langem Suchen bin ich auf dieses Gedicht von
Rose Ausländer gestoßen. Mit klaren, schlichten Worten bringt sie das
Heile, Unzerstörbare zum Ausdruck, die Sehnsucht der Menschen nach
dem, was hinter den Dingen liegt.
Das zarte Blau der Engobe, mit der ich die Tonplatte eingefärbt habe,
soll ein Ausdruck von Hoffnung sein, aber da ist auch das Dunkle und
Schwere der anderen Farbgebung. Beides gehört wohl zusammen.


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt Willi Julius


© Kurt-Willi Julius

Ullmann, Micha


Schwarze Sterne (2005)
© Kurt-Willi Julius

Micha Ullman

*1939 in Tel Aviv;
lebt in Stuttgart und Ramat Hasharon (Israel)

Schwarze Sterne (2005)
(Leinöl, Ölfarbe- leicht transparent)

Vorder- und Rückseite sind zu betrachten.
Sie stellen die zwei Seiten des Himmels dar.
Die „alte“ Seite des Brettes zeigt die heile Welt und damit Geborgenheit.
Die „neue“, andere Seite ist im gleichen Blau bemalt. Die Wurmlöcher sind die
„schwarzen Sterne“, die etwas Negatives symbolisieren.
Die Brettkanten blieben unbehandelt, hier kann man die Wurmlöcher verfolgen. Die
Kanten, die Gänge der Würmer, stellen die Verbindung der beiden Seiten, bzw.
zwischen „alt“ und „neu“ dar. Durch die Würmer kommt man zur Gegenwart, zur
Realität, die negative Züge trägt.

Die schwarzen Sterne sind auch am Tage sichtbar, auf dem hellen Blau. Diese
Auffassung leitet sich aus einem poetischen Umgang mit dem Material her. Hier
findet ein Kippen, ein Wechsel statt: die Nacht wird zum Tag.

Inspiriert wurde Micha Ullman bei dieser Arbeit von Paul Celans Todesfuge, etwa
den hervorgehobenen Passagen der Zeilen

„Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
wir trinken und trinken
wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine
Rüden herbei
er pfeift seine Juden hervor lässt schaufeln ein Grab in der Erde
er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz“

Micha Ullman sieht einen Zusammenhang zwischen den vielen von ihm
geschaffenen Grubenskulpturen und den Löchern, den schwarzen Sternen des
Bretts vom Vöhler Synagogenhimmel.


© Kurt-Willi Julius

Brettübergabe; Stuttgart, Februar 2005
© Kurt-Willi Julius


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

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Vidzraku, Dovi




Die Hand Gottes / La Main de Dieu (2005)
© Kurt-Willi Julius


Dovi Vidzraku

geboren in Kpalime (Togo); lebt in Kpalime (Togo)

“Dekorative Tafel Titel: Die Hand Gottes

- Der Stern auf der Tafel repräsentiert die Macht Gottes. - Das Gebäude stellt die Kirche bzw. Synagoge dar.
- Die blaue Farbe auf der Tafel repräsentiert das Wasser des Lebens, dessen Ursprung die Synagoge ist.
- Entgegen aller Versuche des Menschen, die Entwicklung der Kirche aufzuhalten, war Gott, der hier durch den Stern mit seinen Strahlen symbolisiert wird, wirksam und der Mensch konnte sein Vorhaben nicht erfolgreich abschließen. Mit einem Wort: das, was Gott segnet, kann der Mensch nicht zerstören.“

Übersetzung aus dem Französischen: Koku E. Klutse, Kpalimé (Togo)


Anmerkung: Zusammen mit dem Brett wird der einfache Umschlag aus Packpapier ausgestellt, in dem das Brett, in der Mitte gebrochen, Anfang Mai 2005 mit der Post aus Lomé (Togo) kam. Nach dem Tode des langjährigen Diktators ... , wurde nach einer fragwürdigen Wahl sein Sohn ... zum neuen Machthaber erklärt. Ihn zeigen zwei Briefmarken des Umschlags. Vorwürfe der Opposition, die ihren Kandidaten als den klaren, eigentlichen Sieger sah, führten zu wochenlangen bürgerkriegsähnlichen Zuständen. In ihrem Lauf wurde u. a. das Goethe-Institut in Lomé verwüstet, tausende von Menschen flohen aus Togo ins Nachbarland ... . Nachdem der Künstler wochenlang nicht in Kpalime aufzufinden war, fand das Brett genau in der schlimmsten Zeit den Weg von Lomé nach Vöhl.


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Koku E. Klutse, der Überbringer des Brettes
© Reta Reinl


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Wong Loi Sing, Michael



Sky Instrument of Peace (2005) © Kurt-Willi Julius

Michael Wong Loi Sing
Sky Instrument of Peace (2005)
Sky Instrument of Peace
*1968 in Paramaribo (Suriname);
lebt in Paramaribo (Suriname)



Michael meditiert und betet, bevor er mit dieser Art von Arbeit beginnt und erhält
dadurch seine Inspiration.
(Erst kürzlich hat der die Talare für die Bischofsweihe in Paramaribo entworfen und
bemalt.)
Er sieht das Kunstwerk schon fertig vor Augen. Ganz besonders mit diesem Holzteil
des Sternenhimmels wusste er sofort was zu tun war. Michael ist sehr religiös, auch
er hat jüdische Vorfahren und liest täglich in der Bibel. König David und Jesaja
bezeichnet er als seine Lehrmeister und Inspiratoren.
Als er die Fotos, die anlässlich eines musikalischen Anlasses gemacht wurden, sah,
„sprang“ ihn die Violine an. Und auch Marc Chagall´s Werk „The Fiddler on the roof“
tauchte vor seinem inneren Auge auf.
Unterstützt wurde er von einem Kupferschmied der Synagoge in Paramaribo, dem
Juwelier Chyco und S.T.O., Suriname Reisen, Schweiz. Kleine Reste des Holzteiles
wurden der Synagoge in Paramaribo übergeben.
Michael Wong Loi Sing:
„Das Sky Instrument kam mir als eine göttliche Eingabe. Es musste aus Kupfer sein,
als Leiter von Elektrizität.
Luft, Himmel, Blitz, dicht bei Gott sein, Göttliche Musik, die für uns alle hörbar sein
sollte und könnte, aber durch die Gewalt in unserer Welt verstummt ist. Wir werden
taub und hart gemacht durch unseren Egoismus, durch Habsucht und Gier und
verlieren dadurch die Menschlichkeit und Liebe.
Die Wörter Sinego und Voehl habe ich auf dem Werk auch gebraucht, sie lassen
mich denken an Bescheidenheit und Vögel, Vögel, die ich immer wieder in meinen
Werken leben lasse.
Der Vogel trägt unsere Gedanken in die Luft und in den Himmel, und Sinego, da die
Violine ihren Platz in der Synagoge finden wird, eine Violine, die als das Wahre aus
dem Himmel fallen wird.
Reliquien sind sehr wichtig für mich, und hier ist nun diese Reliquie aus der
Synagoge in Vöhl. Es bringt mich und sicher noch viele andere in direkten Kontakt
mit der physischen Anwesenheit des Ortes und seiner Atmosphäre.
Diese Violine ist ein Reliktträger, eingebettet in Kupfer. Das Holz ist kein Holz mehr,
es hat eine Transformation erfahren, den Kummer und das Leid gehört und gesehen,
die Tränen, die aufstiegen in den hölzernen Himmel. Und nun soll es ein Echo sein,
nein, eine Warnung, dass der Holocaust nie mehr geschehen darf. Die Violine ist das
Instrument von direkten Emotionen, der Klang und die bescheidene Haltung des
Kopfes beim Spielen geben ein Gefühl von Hingabe, Frieden und auch von Stabilität.
Es gäbe noch sehr viel zu sagen, aber nun soll (sollte) die Violine selbst zu Wort
kommen, soll sie Ihre Herzen und Seele ansprechen und Ihnen sagen:
„Es kommt gut = Het komt goed.“
26. Mai 2005


Eine Erklärung zur jüdischen Gemeinde in Surinam unter folgendem Link:

Jüdische Gemeinde Paramaribo



© Kurt-Willi Julius

Claudia Langer von S.T.O. Swiss & Suriname Travel Organisation holt das Brett ab; Sommer 2004 © Reta Reinl

Michael Wong Loi Sing
© Suriname


Michael Wong Loi Sing und Jules Donk, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, vor der Synagoge in Paramaribo (Suriname); Mai 2005 © Suriname

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© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

Yassour, Penny Hes


mnemonic scrap (2005)
© Kurt-Willi Julius

Penny Hes Yassour

*1950 in Israel
lebt in Ein Harod Ihud (Israel)
Mnemonic Scrap (2005)
Penny Hes Yassour ist die wohl renommierteste weibliche Künstlerpersönlichkeit
Israels. Sie arbeitet oft mit „geistigen Landkarten“, d.h. dem persönlichen Bild, das
sie sich von einer Landschaft macht. Ein Beispiel dafür war ihre Arbeit „Screns
(railway map, Germany 1938)“ für die Documenta X 1997, die auch Wege in den
Holocaust thematisiert.
Penny Yassour war (noch) nie in der Vöhler Synagoge, hat sich aber intensiv im
Internet mit ihrer Geschichte und ihrem Aussehen beschäftigt. So ist auch hier „eine
geistige Landkarte“, ein persönliches Bild entstanden. Der Titel der Arbeit „Mnemonic
Scrap“ kann in etwa mit „Stück aus der Erinnerung“ oder „Stück für die Erinnerung /
für das Gedächtnis“ übersetzt werden. Dabei meint „Scrap“ nach ihrem Bekunden
durchaus, dass es sich um ein Stück vom – fast wäre das ja tatsächlich passiert –
Abfall handelt.
Den geschädigten Charakter des Bretts lässt sie durch das Aufsägen der Länge
nach sichtbar werden. Nur ein „Hinter-die-Oberfläche-Sehen“ kann Schäden für den
Betrachter langfristig erinnerbar hervorheben. Dabei ist das Brett für den
Synagogenhimmel ebenso verloren wie der alte Leuchter, den Penny Hes Yassour
aus einer alten Fotografie des Innenraumes kopiert und als Schattenriss in den
linken Teil der Arbeit vervielfältigt hat. Trotzdem leuchten Stern und Leuchter in ihrer
Arbeit neu.
Auch der rechte Teil leuchtet, obwohl besonders er die Zerstörung zeigt. Die Deutung
des hinter dem wurmzerfressenen Brett sichtbaren Musters hat Penny Hes Yassour
dem Betrachter überlassen. Viele Besucher der Ausstellung deuten sie als
stilisiertes, ins Wanken geratenes Fachwerk. Es scheint aus dem Gleichgewicht
geraten, vom Einsturz bedroht, aber es steht noch – so wie die Synagoge in Vöhl.


© Kurt-Willi Julius

Penny Hes Yassour; 14.05.2005
© Karl-Heinz Stadtler


der Kibbuz Ein Harod Ihud; 14.05.2005
© Karl-Heinz Stadtler


© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius

© Kurt-Willi Julius
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