Förderkreis
"Synagoge in Vöhl"
Förderkreis
"Synagoge in Vöhl"
Förderkreis
"Synagoge in Vöhl"
Förderkreis
"Synagoge in Vöhl"
Förderkreis
"Synagoge in Vöhl"
↑ Hier bitte das Menü aufklappen!


Logo 2020

Förderkreis
"Synagoge in Vöhl" e.V.

Antisemitismus früh entgegentreten

Antisemitismus früh entgegentreten
Gedenkfeier einmal anders: An das Pogrom von 1938 erinnerte der Förderverein der Vöhler Synagoge diesmal per Video im Internet. Bei den Vorbereitungen dazu halfen unter anderem (von links) Elke Müller, Birgit Stadtler und ©Walter Schauderna. Foto: pr
NewsSuite
Privat

Vöhl - Viele positive Reaktionen gab es auf die Idee im Förderkreis für die Vöhler Synagoge, die Gedenkfeier zum November-Pogrom im Internet stattfinden zu lassen. Auf YouTube und auf der Website des Vereins sahen sich am 9. November mehr als 100 Interessierte das dafür produzierte Video an.

Karl-Heinz Stadtler hatte es mit anderen Vereinsmitgliedern an mehreren Tagen hergestellt. Sieben kleine Filme entstanden, die Marius Putscher, diesjähriger Landkulturbote, zu einem Video verband. Webmaster Berthold Herberz setzte das Werk dann auf die Internetseite.

In der Begrüßung ließ Vereinsvorsitzender Stadtler die Ereignisse des 9. November 1938 Revue passieren. Seiner Meinung nach spielte dieser Tag eine entscheidende Rolle in Bezug auf die bisherige Verfolgung und künftige Vernichtung der europäischen Juden. An jenem Tag hätten die Deutschen angesichts der miterlebten Gewalttätigkeiten auf staatlichen Befehl die Chance gehabt, Stopp zu sagen. Es wäre nicht passiert, was geschehen ist. Doch man habe zugeschaut, teilweise sogar mitgemacht.

Mit Blick darauf sieht Stadtler die Aufgabe des Förderkreises und aller aufrechter Demokraten: Sehr früh müsse man allen fremdenfeindlichen, antisemitischen und rassistischen Tendenzen entgegentreten.

Für die Gedenkrede hatte der Förderkreis sein Vereinsmitglied Jürgen Damm gewonnen. Der ehemalige Offizier der Bundeswehr begann mit einem starken Plädoyer gegen jede Form von Gewalt in der Politik, vor allem gegen den Krieg. Er zitierte das Gebet von Papst Franziskus anlässlich des Besuchs von Israels Staatspräsidenten Shimon Perez und des Palästinenser-Präsidenten Mahmud Abbas im Vatikan im Jahre 2014, in dem dieser Gott bittet, die Menschen zu lehren, wie man zum Frieden komme.

Damm kritisierte all jene, die den Krieg mit einem Achselzucken hinnehmen. Man müsse stattdessen genau hinschauen, müsse sich die furchtbaren Folgen von Krieg und Gewalt vergegenwärtigen. Sein Kernsatz: „Wenn wir alle in unserem unmittelbaren Umfeld für Frieden arbeiten, dann wird die Welt friedlicher.“ Im zweiten Teil seiner Rede forderte er dazu auf, Neonationalsozialismus und Terrorismus frühzeitig entgegenzutreten und ihm keine Chance zu lassen.

Danach folgte der emotionale Höhepunkt der Feier: Elke Müller, Walter Schauderna sowie Birgit und Karl-Heinz Stadtler nannten im Wechsel die Namen der 72 Vöhler Opfer des Holocaust und entzündeten für jeden von ihnen eine Kerze. Sarah Küpfer sprach und sang das Kaddisch in aramäischer Sprache. Das Kaddisch wird oft als Totengebet bezeichnet, weil es in der jüdischen Welt vom ältesten Kind am Grab der Eltern gebetet wird, doch kommt das Wort „Tod“ nicht ein einziges Mal vor; es preist und lobt Gott als den Schöpfer aller Dinge und allen Lebens. Günter Maier übersetzte das Gebet dann in die deutsche Sprache. Das Gedenkvideo schloss mit einem Musikstück von Sarah Küpfer.

Viele Vereinsmitglieder, aber auch andere Menschen dankten dem Vereinsvorstand im Nachgang für die bemerkenswerte Gedenkfeier. Interessierte finden sie und alle Texte dazu auf der Homepage. synagoge-voehl.de

 

"Erinnern - Wachen - Erleben"


 
„Erinnern – Wachen – Erleben“
Kunstwettbewerb ausgeschrieben: Dabei sind Künstlerinnen und Künstler aufgerufen, sechs Stelen zu gestalten, die auf einem benachbarten Hanggrundstück der Synagoge in Vöhl (Foto) aufgestellt werden. Foto: archiv
NewsSuite Privat

Vöhl - Unter dem Titel „Erinnern - Wachen - Erleben“ schreibt der „Förderkreis Synagoge in Vöhl“ einen freien Kunstwettbewerb aus. Dabei sind Künstlerinnen und Künstler aufgerufen, sechs Stelen zu gestalten, die auf einem benachbarten Hanggrundstück der Synagoge aufgestellt werden.

Bei freier Wahl des Materials und der Form sollen die Stelen vorne und hinten mit einem angemessenen Text, einer Grafik oder einem Symbol versehen werden. Die Stelen sollen 80 bis 200 Zentimeter hoch und 40 bis 70 Zentimeter breit sein. Künstlerinnen und Künstler können sich mit ihrem Lebenslauf, einer Beschreibung des Kunstwerks sowie einem zeichnerischen Entwurf, einem kleinformatigen Modell oder einem Foto des Entwurfs bis zum 31. Dezember 2020 für die Teilnahme bewerben. Aufgrund der räumlichen Gegebenheiten können nur 30 Arbeiten angenommen werden. Die Auswahl der Arbeiten ergibt sich durch die Reihenfolge ihrer Einsendung. Spätestens Mitte Januar werden die zu spät eingereichten Arbeiten zurückgesandt und die 30 angenommenen Teilnehmer informiert.

Die fertigen Stelenobjekte sollen zwischen dem 25. Juli und 1. August 2021 abgegeben werden. Bis zum 15. August entscheidet die Jury und bereitet die Ausstellung vor. Am Sonntag, 15. August, wird die Ausstellung offiziell eröffnet und der Jury-Entscheid mitgeteilt.

Die ausgewählten Stelen werden vom „Förderkreis Synagoge in Vöhl“ für einen Preis von 1000 Euro gekauft. Die Waldeckische Landeszeitung lobt darüber hinaus einen Sonderpreis von 500 Euro aus.

Alle 30 Stelen werden bis zum 31. Oktober auf dem Hof der Synagoge ausgestellt. Daher sollen die Stelen mit einem standfesten Sockel versehen sein. Die nicht von der Jury ausgewählten Stelen können mit einem Preisschild versehen werden. Nach Ausstellungsende holen die Künstler bzw. die Käufer ihre Stelen ab; die ausgewählten sechs Stelen bleiben in Vöhl. Der Veranstalter übernimmt keine Haftung für während der Ausstellung auftretende Schäden oder für Diebstahl.  red/tk

Kontaktdaten: Ehemalige Synagoge Vöhl: Mittelgasse 9, 34516 Vöhl Postadresse und Ansprechpartner: Karl-Heinz Stadtler, Am Wäldchen 3, 34516 Vöhl, Tel.: 05635-1491, 0173-2662489, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.synagoge-voehl.de

 

Gedenken an den Anschlag in Halle

©Nadja Zecher-Christ

Gedenken an Anschlag in Halle
„Veranstaltung des Gedenkens und Mahnens“: Günter Maier, Karl-Heinz Stadtler und Ulrich Müller (von links) erinnerten an den antisemitisch motivierten Terroranschlag von Halle. Foto: nadja zecher-christ
NewsSuite Nadja Zecher-Christ

Vöhl - Schwer bewaffnet hat ein Rechtsextremist am 9. Oktober 2019 versucht, in die Synagoge von Halle einzudringen, um dort am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ein Massaker unter den Gläubigen anzurichten. Als er an der massiven Holztür scheiterte, erschoss er vor dem Gotteshaus zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer.

Ein Jahr nach dem Anschlag wurde in Halle und ganz Deutschland den Opfern gedacht. Auch der Förderkreis „Synagoge in Vöhl“ hatte zu einer „Veranstaltung des Gedenkens und Mahnens“ in die ehemalige Synagoge eingeladen. Günter Maier (Förderkreis-Mitglied) betonte: „Es ist eine wertvolle Arbeit, die wir in der Synagoge vor 20 Jahren angefangen haben.“ Während seines Studiums der Theologie habe er nur wenige Juden getroffen, aber durch die Synagoge dazugelernt.

Er zitierte den Rabbiner Leo Baeck: „Für uns Juden in Deutschland ist eine Geschichtsepoche zu Ende gegangen. Eine solche geht zu Ende, wenn immer eine Hoffnung, ein Glaube, eine Zuversicht endgültig zu Grabe getragen werden muss. Unser Glaube war es, dass deutscher und jüdischer Geist auf deutschem Boden sich treffen und durch ihre Vermählung zum Segen werden könnten. Dies war eine Illusion - die Epoche der Juden in Deutschland ist ein für alle Mal vorbei.“ Maier betonte: „Wir müssen den Juden wieder Hoffnung geben, dass sie einen Platz in unserer Gesellschaft haben und ihres Lebens sicher sein können.

Ulrich Müller (Förderkreis-Mitglied) sprach Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus. Es sei ein Schicksalsschlag, wenn man auf diese Art und Weise aus dem Leben genommen werde. Er bekräftigte „Wir müssen bei Kindern und Jugendlichen Voraussetzungen schaffen, dass sie in guten Verhältnissen aufwachsen und solch ein Hass nicht entstehen kann.

Förderkreis-Vorsitzender Karl-Heinz Stadtler erinnerte daran, dass alle 24 Minuten in Deutschland eine antisemitisch oder rechtsextrem motivierte Straftat passiere, darunter die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und der Angriff Anfang Oktober auf einen Hamburger Studenten. Der Täter habe ihn anhand der Kippa als Jude identifiziert. Stadtler appellierte: „Wir dürfen die Augen nicht zumachen!“ Es könne nicht sein, dass Juden wieder Angst haben müssten, getötet zu werden. Es gelte, gemeinsam aufmerksam zu sein, um solche Taten zu verhindern.  nz

 

Helmut Eisel und JEM im Schlossgarten

Brilliante Musiker begeistern

VON ARMIN HENNIG

Vöhl - Mit einer „KlezFiesta!“ im Vöhler Schlossgarten verklang der kurze Konzertsommer auf höchstem Niveau. Helmut Eisel und JEM bedankten sich mit einer Glanzvorstellung für den Einfallsreichtum und das Organisationsgeschick beim Förderverein Alte Synagoge Vöhl,

Denn unter dem Eindruck von Corona waren andere Veranstalter bei der Jubiläumstour gleich ganz auf Nummer sicher gegangen.

Ein Klarinetten-Aufschrei ins verebbende Glockengeläut der Martinskirche eröffnete das Konzert und ein Arrangement des Klassikers „Los Bilbilicos“, in dessen Verlauf das Trio gleich sämtliche Register zog, allen voran Helmut Eisel, der auf seinem Instrument die volle Ausdruckspalette erkundete.

Ob sanft schmelzende Melodien, stoßend-rhythmisches Blöken, durchmischt von beglücken Kieksern oder Accelerando zu finaler expressiver Verdichtung: Ein Moment zum Aufhorchen schloss sich nahtlos an den nächsten an

Als zweites großes Virtuosenstück erklang das Titelstück, Stefan Engelmanns Arrangement von Chick Coreas „La Fiesta“, zu dem sich der Bassist von einem Workshop mit dem Meister inspirieren ließ. Dabei bildeten brillante Läufe über das komplette Spektrum der vier Saiten nicht die einzige Delikatesse für die Ohren, vielmehr markierte der Doppeleinsatz von Gitarre und Klarinette und die Rückkehr ins Trio den überwältigenden Gipfelpunkt. Als weiterer bezeichnender Moment im Verlauf der Weiterentwicklung des Standards erwies sich das Duett der Kontraste zwischen tiefem Bass und hellen Gitarrenklängen, lediglich die Klarinette hielt noch melodische Verbindung zur Vorlage.

Bei aller Brillanz überstrapazierten die drei Musiker keineswegs die Aufmerksamkeit der Zuhörer, vielmehr bildeten subtilere Meisterwerke voll musikalischem Humor und sanften Andeutungen Ruhepolster für Kenner, etwa in „Ronja“, das die Streiche der durch die Komponistenwerkstatt schleichenden Katze mit Ironie in der Bassbegleitung zeigte.

Im Arrangement zu „Quando el Rei Nimrod“ gelang Helmut Eisel ein nahtloser Übergang von einer Stilrichtung zur nächsten: Ein rockiges Riff für Bass und Gitarre bildete die Eröffnung, ehe die Klarinette erste Klezmer-Akzente setzte, die sich aber unversehens in bezaubernde morgendländische Reismusik verwandelte, ehe sich das melodische Führungsinstrument im Reich des Jazz wiederfand. Gegensatzpaare kennzeichneten das Ende der ersten Hälfte und den Wiederbeginn.

Für die harmonischen Klänge zeichnete Gitarrist Michael Marx verantwortlich, der die sanfte Saite beim Schlummerlied für Enkelin „Paula“ und eine Hommage an „Spanische Gärten“ zupfte, in „Yorams Freilach“ und „A Short Freilach“ nahm Helmut Eiselt seine Rolle als Pflichteröffnung bei israelischen Festivals aufs Korn.

Zum Höhepunkt der zweiten Hälfte geriet die Fiesta-Trilogie „Gracias por..“/A la Luna yo naci/Vamos al fiesta“, eine Kombination aus der frischen Eigenkomposition von Meisterschülerin Franka Plößner, einer besinnlichen barocken Tanzweise und dem einen temperantvollen Abschluss in hohem Tempo.

 
 
Klezmermusik: Helmut Eisel (links) und JEM bei ihrem Konzert in Vöhl. Foto: ©Hennig
NewsSuite
Hennig, Armin

Projekt-Präsentation Landkulturboten

Werben für die Synagoge

 Ehrung Landkulturboten
Haben als Landkulturboten eigene Projekte umgesetzt: (von links) Johanna Albrecht, Marius Putscher, Benjamin Grön, Silas Schwehn, Celine Iemmolo und Regina Nazarenus. Fotos: ©Nadja Zecher-Christ
NewsSuite
Nadja Zecher-Christ

VON NADJA ZECHER-CHRIST

Vöhl - Bereits zu dritten Mal haben sechs junge Leute aus dem Landkreis einen besonderen Ferienjob absolviert. Sie arbeiteten in Zweier-Teams, jeweils zwei Wochen, im Rahmen des Projektes Landkulturboten in der ehemaligen Vöhler Synagoge, wo sie auch eigene kleine Projekte betreuten.

Mit diesen soll für die Synagoge geworben und Menschen über die Arbeit des Förderkreises informiert werden. Die Geschichte der Vöhler Juden und des ehemaligen jüdischen Gotteshauses soll aufgezeigt werden. Die Projekte wurden Donnerstagabend bei einer Abschlussveranstaltung präsentiert.

Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises der Synagoge, sagte: „Kultur hat eine hohe Bedeutung nicht nur für den Förderkreis, sondern auch für die Gemeinde und die Region.“ Man habe von den Landkulturboten Kreativität erwartet und ihnen nichts vorgesetzt. So sei es ihnen möglich gewesen eigene Werke zu schaffen.

Der Vöhler Bürgermeister Karsten Kalhöfer äußerte die Hoffnung, „dass die jungen Leute auch über die zwei Wochen hinaus Landkulturboten bleiben.“

Daniel Teppe von der Grimmheimat Nordhessen, die sich ebenfalls am Projekt beteiligte, betonte: „Es ist sehr wichtig für den Tourismus, dass es kulturelle Veranstaltungen in kleineren Gemeinden gibt.“ Die Arbeit der Landkulturboten sei eine Bereicherung für die Region.

Celine-Marie Iemmolo (Thalitter) und Regina Nazarenus (Ederbringhausen) stellten die wechselhafte Geschichte des Hauses bis zur heutigen Zeit in einem Video vor.

Eine profimäßig gestaltete Online-Führung für die Webseite der Synagoge hatten Marius Putscher (Korbach) und Johanna Albrecht (Dorfitter) erarbeitet, sie hatten sie mit interessanten Infos gespickt. So etwas macht Lust auf mehr und animiert gewiss manchen Website-Besucher, sich die Synagoge „live“ anzusehen.

Mit Unterstützung von Christian Schnatz erstellten Benjamin Grön (Marienhagen) und Silas Schwehn (Korbach) eine Informationstafel für die ehemalige Vöhler Synagoge, auf der sich Informationen zu der Nutzung des Hauses und den ehemaligen jüdischen Bewohnern befinden.

Laut Stadtler sollen solche Tafeln auch für andere Vöhler Gebäude angefertigt werden, sofern es deren Bewohner wünschen. Der Abend wurde musikalisch umrahmt von Pia Eberling am Klavier und Barbara Küpfer auf der Querflöte.

Stadtler würde das Projekt Landkulturboten, das bisher vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanziert wurde, gerne fortführen. Man müsse aber zunächst die Finanzierung klären, da die Landkulturboten für ihre Arbeit entlohnt werden.

 
Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Pia Eberling am Klavier und Barbara Küpfer auf der Querflöte.
NewsSuite
©Nadja Zecher-Christ

Selbstkritischer Humor

Seite 8

Selbstkritischer Humor

VON ARMIN HENNIG

Vöhl - „Jüdischer Humor statt Judenwitze“: Auf diese Unterscheidung legte der Vorsitzende des Förderkreises, Karl-Heinz Stadtler, bei der Einführung ins erstmals veranstaltete Lachcafé in der Alten Synagoge in Vöhl wert.

Johannes Grötecke unterhielt bei der Veranstaltung sein Publikum nicht nur mit über 50 Witzen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen. Der Lehrer an der Alten Landesschule bettete die treffsicheren Pointen über die aktuelle Notlage, das Verhältnis zu Gott oder der Ehefrau in den historischen und kulturellen Kontext ein. Im Verlauf seines Programms zitierte er auch immer wieder Definitionen und Reflexionen über die spezifischen Qualitäten des keineswegs konfrontativen, sondern durchaus selbstkritischen Humors.

Die ansprechendste Charakterisierung stammte von Paul Spiegel, dem ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland: „Jüdischer Humor war und ist die schönste Waffe einer Minderheit, unser Humor tötet nicht.“

Zweitausend Jahre Diaspora angefüllt mit Versuchen der Assimilation und Erfahrungen der Vertreibung hätten ebenso zur Entwicklung beigetragen wie das Verhältnis zur Religion und ihren Traditionen, so Johannes Grötecke. Mit der Reaktion auf Verfolgung im Dritten Reich und unter Deutscher Besatzung stand ein ebenso schreckliches wie prominentes Kapitel am Anfang: „Jetzt sind wir vom Zeitalter der Furcht in das der Hoffnung übergetreten“, hatte ein frisch ins „Abwanderungslager“ Drancy* eingelieferter französischer Jude seinen Humor unter dem Eindruck verschärfter Bedrohung nicht verloren. Von insgesamt 65 000 Insassen des Transitlagers über das auch etliche Vöhler Juden nach Auschwitz geschleust wurden, entgingen gerade mal 2000 der Vernichtung, unterstrich der Experte für Humor und Holocaust den finsteren historischen Hintergrund.

In einem Emigrantenwitz hing in der guten Stube eines rechtzeitig nach New York ausgewanderten Mannes, der als Deutscher aufgewachsen und sozialisiert war, ein Hitlerbild gegen Heimweh.

Aber auch die Reaktionen auf die durchweg schlechte Versorgungslage im Sozialismus waren für einen Witz gut: Denn beim Anstehen für eine frische Fleischlieferung in Moskau wurden die Juden als erste Gruppe als nicht länger berechtigt weggeschickt. Als im Laden am Ende des Tages gar keine Ware eintrifft, fühlen sich die enttäuschten Apparatschicks in ihrem Vorurteil bestätigt, dass die Juden mal wieder bevorzugt wurden, weil man sie zuerst weggeschickt hatte.

Auf seinem Weg zwischen den politischen Extremen kamen auch Versuche zur Sprache, den lieben Gott und seine Speisegebote, bzw. die strengen Richter im Alltag, auszutricksen. In einigen Fällen spricht Gott sogar mit Alltagsweisheit zu den Betern, etwa zum Pleitier Rubinstein. Denn dieser betet so lange jeden Freitag um einen Lottogewinn, bis der Allmächtige darauf verweist, dass bis jetzt jede Grundlage für die Erfüllung der Gebete fehle und den verarmten Frommen auffordert: „Kauf dir erst mal einen Lottoschein.“

„Das Lachcafé war ein launiger Nachmittag“, zog Stadtler eine positive Bilanz und ergänzte: „Meine Kollegen vom Vorstand waren mit der Veranstaltung auch sehr zufrieden. Als regelmäßigen Termin wie die beiden Literaturcafés werden wir es zwar nicht im Kalender etablieren, aber immer mal wieder einen überwiegend heiteren Nachmittag anbieten.“

 Lachcafé
 
Pointen im Kontext: Johannes Grötecke unterhielt sein Publikum in der Vöhler Synagoge. Foto: ©Armin Hennig
NewsSuite
Hennig, Armin

Große Pläne für Vöhler Synagoge

Notausgänge, neu gestalteter Hof und ein Buchprojekt sind in Arbeit

Waldeck-Frankenberg: Große Pläne für Vöhler Synagoge

Der Plan für die Umgestaltung des Hofes der Vöhler Synagoge sieht unter anderem Treppenstufen zum Bach und mehrere Sitzgelegenheiten vor. Günter Maier (von links), Anna Evers, Karl-Heinz Stadtler und Walter Schauderna zeigen den Entwurf.

Der Hof wird neu gestaltet, das Gebäude bekommt zwei Notausgänge, Hinweistafeln an Häusern sollen die Geschichte Vöhler Juden erzählen, und ein neues Buch wird auch veröffentlicht: Der Förderkreis der Synagoge Vöhl hat mehrere Projekte in Angriff genommen, die Vorstand und Mitglieder in den nächsten Jahren begleiten werden.

Vöhl - „Es hat uns schon immer bewegt, dass wir nur eine Tür als Ein- und Ausgang haben“, sagt Günter Maier, Mitglied im Vorstand des Förderkreises. Bisher sei nie etwas passiert, Gedanken mache man sich dennoch, wie im Notfall alle sicher nach draußen kommen. Der Anschlag auf eine Synagoge in Halle im vergangenen Jahr habe den Wunsch nach Notausgängen noch bestärkt.

Sowohl der Denkmalschutz als auch die weiteren Behörden hätten das Anliegen positiv aufgenommen, sagt Vorsitzender Karl-Heinz Stadtler. Deshalb hat Architektin Silvia Steiner zwei Notausgänge geplant: Vom Erdgeschoss würde einer, über zwei oder drei Treppenstufen, in die angrenzende Gasse führen, ein zweiter würde Besucher über eine Treppe vom ersten Stock aus auf den Hof bringen. Stadtler rechnet damit, dass der Umbau Kosten im unteren fünfstelligen Bereich verursachen wird. Der Verein könne das nicht allein stemmen, deshalb bemühe man sich um Unterstützung vom Land Hessen. Möglichst noch in diesem Jahr sollen die beiden Ausgänge entstehen, so der Wunsch.

Bauliche Veränderungen soll es auch hinterm Haus, im Hof der alten Synagoge geben. Dort ist eine Umgestaltung geplant, um das Areal künftig besser für Veranstaltungen, beispielsweise für Sommerkonzerte, nutzen zu können. Mehr als 100 Leute würden dort Platz finden, sagt Stadtler. Zum kleinen Bach hinunter sollen künftig einige Treppenstufen führen, erklärt Walter Schauderna. Dort sollen Besucher auch sitzen können. Auch weitere Sitzgelegenheiten sollen entstehen.

Der Hang, an dem es neben dem Haus zum Hof hinunter geht, wird ebenfalls umgestaltet. Der Farn ist bereits weg. In der Mitte der Anhöhe wird ein kleiner Weg angelegt, und jeweils auf dem oberen und dem unteren Teilstück sollen drei Stelen stehen. Gestaltet werden sollen diese von Künstlern, dazu wird es eigens eine Ausschreibung geben.

Form, Farbe, Material und Gestaltung der Stelen sollen die Künstler dann selbst übernehmen, die Finanzierung übernimmt der Förderkreis. Die Voraussetzung für die Gestaltung: Das Ergebnis muss etwas mit der Synagoge bzw. der Arbeit des Förderkreises zu tun haben. Ob Texte oder Symbole, sagt Stadtler, möglich sei auch, etwas für Offenheit und gegen Rassismus umzusetzen.

Ende diesen oder Anfang nächsten Jahres wird zudem ein Buch unter dem Titel „Facetten des Rassismus“ veröffentlicht. Darin finden sich alle Vorträge und Geschichten der großen gleichnamigen Veranstaltungsreihe aus dem vergangenen Jahr.

Weitere Infos zur Arbeit des Förderkreises gibt es auf www.synagoge-voehl.de.

Tafeln an Gebäuden erzählen Geschichte der Vöhler Juden

In vielen heute noch erhaltenen Vöhler Häusern haben früher Juden gelebt. Der Förderkreis will Interessierten die Möglichkeit geben, sich über diese jüdischen Familien zu informieren und plant, entsprechende Hinweistafeln anzubringen.

Die Idee hatte der Vorstand schon länger, nun machen die Landkulturboten Benjamin Grön und Silas Schwehn den Anfang. Sie arbeiten an der Umsetzung für die erste Betontafel, die später an der Synagoge selbst angebracht werden soll. „Geschichte der Vöhler Juden“ soll jede Tafel überschrieben sein, darunter folgen Infos über die Familie, die in dem Haus lebte, deren Auswanderung oder Ermordung, oder auch die frühere Nutzung des Gebäudes.

Ein QR-Code soll bei Interesse auf die Internetseite des Förderkreises weiterleiten, erklären die beiden Landkulturboten. Dort gibt es ausführlichere Infos und eine Karte mit einer Übersicht, an welchen Häusern noch weitere Tafeln angebracht sind. 43 Zentimeter breit und gut 80 Zentimeter hoch wird das Hinweisschild sein, das – so der Plan – im September an der Synagoge enthüllt werden soll. Doch nicht überall sei die Höhe die selbe, sagt Karl-Heinz Stadtler. Das hänge immer von der Geschichte des Hauses und seiner Bewohner ab.

Starten das Projekt: Die Kulturboten Silas Schwehn (links) und Benjamin Grön.

Etwa 25 Häuser sind es in dem Ort, an denen am Ende eine Tafel hängen und einen Teil der Vöhler Geschichte erzählen könnte. Über mehrere Jahre werde sich das Vorhaben hinziehen. Umgesetzt werden soll das Projekt in jedem Fall immer nur gemeinsam mit den aktuellen Hauseigentümern, betont der Vorsitzende des Förderkreises.

Stadtler und die anderen Vorstandsmitglieder hoffen, dass dabei aber alle mitmachen und Ja sagen zu der Idee, bezahlen müssen sie für die Umsetzung natürlich nichts, die Kosten trägt der Verein. Und wenn jemand keine Tafel an seinem Haus oder am Zaun haben möchte, sei das natürlich auch in Ordnung.

Wie berichtet, ist die Finanzierung des Projekts Landkulturboten im kommenden Jahr noch ungewiss. Doch der Vorstand will das Projekt fortsetzen. Rund 5000 Euro kostet die jährliche Umsetzung, „das sollte machbar sein“. Möglich sei eine Finanzierung durch Sponsoren, sagt Karl-Heinz Stadtler, oder auch durch das hessische Kultusministerium. Auch Kooperationen mit Einrichtungen wie der Jugendherberge Hohe Fahrt und dem Camp der Landessportjugend seien möglich. (Julia Janzen)

Ausstellung Dr. Christa Fianda

Dr. Christa Fianda zeigt ihre Arbeiten in Vöhl - Zudem sind Workshops geplant

„Urkräfte“ wirken in der Synagoge: Ausstellung ist ab Sonntag zu sehen

Upcycling – Glasscherben wirken durch Bewegung wie eine wirbelnde Quelle: Die Künstlerin Dr. Christa Fianda und Karl-Heinz Stadtler vom Förderkreis der Vöhler Synagoge vor einer Fotografie, die zu den Exponaten der Ausstellung „Urkräfte – Feuer, Wasser Luft und Erde“ gehört.

 

Mit der Ausstellung „Urkräfte – Feuer, Wasser, Luft und Erde“ von Dr. Christa Fianda startet die Vöhler Synagoge in ihr Sommerprogramm.

„Unter den Bedingungen der Corona-Prävention sind Konzerte auf absehbare Zeit nicht möglich, deshalb haben wir uns für die Ferienzeit etwas einfallen lassen“, erklärt Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises der Synagoge, bei der Vernissage.

Als „Urkräfte wie gemalt“ bezeichnet die Künstlerin ihre „impressionistische Photographie“ und grenzt sie damit vom schlichten Ablichten eines Objekts ab. Der Druck der Fotos auf Leinwand sorgt für einen gewissen Grad von Unschärfe und etwas Rätselhaftem, das die Künstlerin als „Upcycling“ bezeichnet. Darunter versteht sie einen höherwertige Zustand, der sich von der minderwertigen Zweitverwertung im Recycling abgrenzt.

 

Spiegelungen und die Brechung des Objekts auf der Oberfläche von Wasser oder Glas bilden ein wesentliches Gestaltungselement. Chemische Prozesse, die gerade in der Natur ablaufen, sorgen für Farbeffekte, die auf den ersten Blick so wirken, als wäre künstlerisches Wollen am Werk. „Das obere der vier Bilder sieht so aus, als hätte ich Deckweiß drauf geknallt, dabei handelt es sich um Mikroorganismen im Brackwasser, die Altöl abbauen“, erläutert Christa Fianda ihre Tetralogie „Lebenserfahrungen“.

Ein mehrdeutiger Titel, der auch auf die eigene Biografie verweist. Nach der Schule stand sie als junge Frau vor der Wahl Kunst oder Chemie und entschied sich zunächst für die finanziell aussichtsreichere Laufbahn. Im Bereich der Altlastensanierung nahm ihr Unternehmen eine führende Rolle ein, ehe der Stress seinen Tribut forderte. Mit einer Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Südwestfalen in Soest blieb sie der Chemie treu, entdeckte aber Freiräume für die Kunst, in der sie die Erfahrung im Beruf durchaus in kreativen Prozessen fruchtbar machen kann.

Gestaltende Kräfte am Werk

Seit 2012 arbeitet Christa Fianda vermehrt künstlerisch mit Schwerpunkt Fotografie. Bewegung ist ein Faktor, der zu unterschiedlichen Erscheinungsformen desselben Gegenstands führen kann: So nimmt im Zyklus „Violetta“ ein glühender Holzscheit durch Wirbeln im Dunkeln unterschiedliche Formen an.

„In der Berichterstattung der Medien erscheinen die Urkräfte meist im Zusammenhang mit Katastrophen. In meinen Bildern sind Feuer, Wasser, Luft und Erde als gestaltende Kräfte am Werk“, erklärt die Künstlerin das Thema der Ausstellung.

Die Wechselwirkung ihrer Bilder mit dem Ausstellungsort ist eine zusätzliche Attraktion. „Ich setze meine Bilder ständig in Szene, in Korrespondenz mit den örtlichen Gegebenheiten entsteht eine vollkommen andere Wirkung“, erzählt sie im Rückblick auf 23 Ausstellungen in den vergangenen acht Jahren. Während der Besuche von Konzerten entstand die Idee, ihre Prozesskunst im historischen Sakralraum wirken zu lassen.

Die Ausstellung ist ab Sonntag, 5. Juli, bis Ende August zu sehen, während der Sommerferien sogar montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr, wenn die „Landkulturboten“ Führungen anbieten.

Workshops als Zusatzprogramm

Während der Vorbereitung für die Ausstellung hat Dr. Christa Fianda auch Vöhl aus besonderem Blickwinkel erkundet und den Förderkreis-Vorsitzenden Karl-Heinz Stadtler ihre besondere Art des Sehens gelehrt. Während der fotografischen Exkursionen entstand der Gedanke zu zwei Workshops als sommerliches Zusatzprogramm. Am Sonntag, 26. Juli, 14 bis 18 Uhr, gibt es einen Foto-Workshop mit dem Titel „Das Auge für das Besondere“ und am Samstag, 8. August, 10 bis 11.45 Uhr, lautet das Thema „Unter den Augen des Weisen: rhythmische Bewegungen zu Fotos“. Weitere Infos dazu gibt es auf der Internetseite der Synagoge.

Landkulturboten starten

Projekt in Vöhl wird fortgesetzt - Finanzierung kommendes Jahr ungewiss

Kulturboten in der Synagoge: Ein Ferienjob der anderen Art

Sie sind die neuen Landkulturboten der Vöhler Synagoge: (von links) Marius Putscher, Silas Schwehn, Benjamin Grön, Johanna Albrecht, Celine Iemmolo und Regina Nazarenus. 

Gästen die Synagoge zeigen, die Geschichte der jüdischen Einwohner Vöhls und der Region erläutern, Einblick in die aktuelle Ausstellung geben: Sechs junge Menschen werden in diesem Jahr ihren Ferienjob in der alten Vöhler Synagoge machen.

Bereits zum dritten Mal beginnt damit in Vöhl das Projekt Landkulturboten. In diesem Jahr dabei: Marius Putscher und Silas Schwehn, beide aus Korbach und Schüler der Alten Landesschule, Celine Iemmolo (Thalitter), Regina Nazarenus (Ederbringhausen), Benjamin Grön (Marienhagen) und Johanna Albrecht (Dorfitter).

Warum sie sich für den ungewöhnlichen Ferienjob beworben hatten, erläuterten die Sechs bei einer Vorstellungsrunde in der Synagoge am Dienstagabend. Sie möchte mehr erfahren über die Geschichte der eigenen Gemeinde und der Region, sagte beispielsweise die 17-jährige Johanna Albrecht, bis vor kurzem noch Schülerin der Ederseeschule. Und Regina Nazarenus, 16 Jahre alt und ebenfalls frisch gebackene Absolventin der Herzhäuser Schule, habe nicht einmal gewusst, dass es eine Synagoge in Vöhl gibt, räumte sie ein. Nun will sie dafür sorgen, dass sie bekannter wird.

 

Gedenktafeln und Online-Führung geplant

Jeweils zwei Wochen lang werden die Schüler in Zweier-Teams Besucher des ehemaligen jüdischen Gotteshauses betreuen und mit Infos versorgen. Nebenbei arbeiten sie aber auch an eigenen Projekten. Marius Putscher und Johanna Albrecht konzipieren eine Online-Führung für die Internetseite der Synagoge, Celine Iemmolo und Regina Nazarenus wollen die Geschichte des Hauses bis in die heutige Zeit verdeutlichen und Benjamin Grön und Silas Schwehn planen, Gedenktafeln für einzelne Häuser in Vöhl zu entwickeln.

Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises der Synagoge, ist gespannt auf die Ergebnisse, sagte er bei der Einführung der Landkulturboten. Er ist sicher: So wie die beiden vorherigen Male werde das Projekt auch dieses Jahr „ein voller Erfolg“. Und Vöhls Bürgermeister Karsten Kalhöfer sprach den jungen Menschen Dank und Respekt aus, „ihr habt euch einen Ferienjob der etwas anderen Art ausgesucht“. Damit übernehmen sie eine wichtige Aufgabe, denn die Landkulturboten würden mit dafür sorgen, dass Vergangenheit nicht gleichzeitig vergessen bedeute. Das Projekt insgesamt stärke den ländlichen Kulturtourimus und, so hofft er, binde die jungen Menschen auch stärker an ihre Heimat.

Daniel Teppe von der Grimmheimat Nordhessen, die sich in das Projekt eingeklinkt hat und es in weiteren Einrichtungen umsetzt, betonte, wie wichtig es sei, Botschafter der Region zu haben.

Kosten liegen bei rund 5000 Euro

Im ersten Jahr stemmte der Förderkreis der Synagoge Vöhl die Finanzierung des Projekts Landkulturboten, auch mit Hilfe von Sponsoren. Für 2019 und 2020 trägt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Kosten.

Doch die Förderung läuft Ende des Jahres aus, sagte Daniel Teppe von der Grimmheimat Nordhessen. Das Beispiel Vöhl zeige, dass es auch auf anderem Wege möglich sei, die Kosten zu decken. Man hoffe nun auf Sponsoren, die Grimmheimat wolle das mit Kontakten unterstützen. Laut Förderkreis-Vorsitzendem Karl-Heinz Stadtler brauche man rund 5000 Euro für die Umsetzung. Das Projekt solle auch im nächsten Jahr wieder stattfinden, sagte er. „Wir werden alles daransetzen.“

Mit Wissen gegen Hass

Gegen Rassismus - Vöhler Synagoge hält Erinnerung an Holocaust wach

Mit Wissen gegen Hass

Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises, in seinem Element. Mit großem Engagement setzt er sich für die Erinnerungskultur ein. Der Förderkreis unterhält eine große Bibliothek.   

Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke vor einem Jahr war ein Höhepunkt. Der kürzliche Fall George Floyd in den USA kommt hinzu. Hass, Hetze und Rechtsradikalismus bleiben aktuell. Um so wichtiger ist die Erinnerung an die NS-Verbrechen – wie in der Vöhler Synagoge.

Vor 21 Jahren gründete sich der Verein Förderkreis Synagoge in Vöhl mit dem Ziel, die aus dem Jahr 1827 stammende und bis in die Zeit des Nationalsozialismus genutzte ehemalige Synagoge in Vöhl wiederherzurichten und als Gedenk- und Kulturstätte zu nutzen. Der unwissende Besucher wird an dem schlichten Fachwerkbau mit seinen grünen Balken im Ortskern von Vöhl sicher vorbeigehen. Nur ein kleines Schild weist darauf hin, dass sich in dem Haus mit den kleinen Sprossenfenstern eine beinahe 200 Jahre alte Synagoge versteckt.

 Wissen statt 2
+
Der Sakralraum ist heute ein beliebter Ort für Veranstaltungen.

Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises, ist ganz in seinem Element, wenn er durch die Tür tritt und eintaucht in die Geschichte der Vöhler Juden und des Judentums insgesamt. „Den Sakralraum gleich rechts hinter der Eingangstür kenne ich noch aus meiner Kindheit. Als ich dann 1999, nach dem Kauf des Hauses durch den Förderkreis nach vielen Jahren den Raum wiedersah, waren meine ersten Gefühle Ehrfurcht, Zurückhaltung und Respekt. Das ist bis heute so. Bei allem was ich lerne, sehe und erlebe, wird mir klar, wie wichtig noch immer die Erinnerungsarbeit ist. Gegenwart und Zukunft lassen sich nur durch sie gestalten.“

Ein Versprechen für die Zukunft

1827 begann der Bau der Synagoge, in der auch der jüdische Lehrer mit seiner Familie wohnte und die Kinder aus dem Ort unterrichtete. Zwei Jahre später feierten die 140 Mitglieder der orthodoxen jüdischen Gemeinde im Rahmen des Schabbat-Gottesdienstes die offizielle Einweihung.

 Wissen statt 3
+
Berührendes Treffen mit 15 noch lebenden ehemaligen Vöhler Juden im Jahr 2000.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts gehörten viele Juden dem Gemeinderat an. Sie waren aktive Mitglieder und Mitbegründer des Gesang-, Frauen- und des Verkehrsvereins. Sie spielten gemeinsam mit den nichtjüdischen Einwohnern der 700 Seelen-Gemeinde Fußball und Faustball.

„Heute leben hier keine Juden mehr, und nur ein Mitglied unseres Vorstands, Sarah Küpfer, ist Jüdin“, erklärt Karl-Heinz Stadtler, der betont: „Im Jahr 2000 aber haben wir es geschafft, mit 15 noch lebenden ehemaligen Vöhler Juden hier im Sakralraum einen gemeinsamen Gottesdienst zu feiern.

Mit Erinnerung gegen Vorurteile

Es war ein tief beeindruckendes Erlebnis. Wir haben auch noch immer Kontakt zu einigen Nachfahren ‚unserer’ Vöhler Juden.“ Den Gottesdienstbesuchern von damals gab der ehemalige Geschichtslehrer das Versprechen, in der Erinnerungsarbeit nicht nachzulassen. Der Förderkreis hat inzwischen ein große Bibliothek mit den unterschiedlichsten Büchern sammeln können. Karl-Heinz Stadtler hat in Berliner Archiven und sogar in Jerusalem viele Berichte, Daten und Protokolle gefunden. So weiß er heute viel über das Leben, die Geschichte, Religion und Kultur von 6500 Juden im Landkreis. Seine Forschung geht auch weit zurück bis hin zur Vertreibung aus Palästina. „Je mehr man weiß, umso besser kann man gegen Vorurteile und Feindseligkeit ausrichten. Wenn Schulklassen oder Konfirmandengruppen hier sind, stelle ich oft fest, dass die Jugendlichen viele Fakten kennen, aber nur wenig darüber wissen, wie der Holocaust überhaupt entstehen konnte. Ich bin mir sicher, dass es in Deutschland keinen zweiten Holocaust mehr geben wird, aber die Mechanismen der Verachtung und Verunglimpfung funktionieren noch immer.“

Die Vöhler Synagoge aber ist nicht nur ein lebendiges Museum. Mit 86 Veranstaltungen im vergangenen Jahr ist sie auch ein ausgebuchter Veranstaltungsort. Kinofilme, Lesungen bei Kaffee und Kuchen, fröhliche Nachmittage mit jüdischen Witzen, Konzerte in unterschiedlichsten Musikgenres, Ausstellungen und natürlich Museumsführungen spannen einen großen Bogen um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Was in diesem Jahr in der Coronakrise noch möglich sein wird, kann Karl-Heinz Stadtler jetzt noch nicht sagen. Die Synagoge in Vöhl ist in den kommenden Wochen geschlossen. Wann es wie weiter geht, wird auf der Internetseite des Förderkreises veröffentlicht. /Barbara Liese     

Info: www.synagoge-voehl.de

Ansprechpartner:

Karl-Heinz Stadtler,

Am Wäldchen 3, Vöhl, Tel. 05635 1491, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Region gegen Rassismus

Neue Arbeitsgruppe in Waldeck-Frankenberg hat Aktion angestoßen

Vereine, Firmen, Private: Alle sollen Zeichen setzen gegen Rassismus

Sie machen sich stark gegen Rassismus: Vertreter von Schulen, Behörden, Vereinen und kulturellen Einrichtungen werben für das Projekt „Region gegen Rassismus“ – nur fürs Foto ohne Gesichtsmaske. 

Die Anschläge in Hanau, der Mord an Walter Lübcke, die Morde in Hanau: Für Berufsschullehrer Matthias van der Minde war das zu viel. Auf seine Initiative hin gründete sich die Arbeitsgruppe „Region gegen Rassismus“ – die jetzt in den gesamten Landkreis ausstrahlen soll.

„Wenn wir jetzt nichts tun, wann dann?“, habe er sich irgendwann gefragt, erzählt Matthias van der Minde. Mehrere Lokalpolitiker und den Landkreis habe er kontaktiert und ist so schließlich beim Netzwerk für Toleranz gelandet. Bei Ursula Müller und Violetta Bat, den Koordinatorinnen des Netzwerks, rannte er offene Türen ein. Schnell wurde die Arbeitsgruppe „Region gegen Rassismus“ gegründet und weitere Mitstreiter gesucht. Die kommen bislang unter anderem aus Schulen, kulturellen Einrichtungen und Vereinen.

Mehrmals hat sich die Arbeitsgruppe bereits getroffen. Das Ziel: Etwas unternehmen gegen „die Enthemmung der Gesellschaft“, wie Historikerin und Lehrerin Dr. Marion Lilienthal sagt. Auch, wenn im Namen der Gruppe „nur“ das Wort Rassismus auftaucht, umfasst der Inhalt doch viel mehr: Man wolle sich gegen Fremdenfeindlichkeit richten, gegen Antisemitismus, gegen Feindlichkeit von scheinbar Fremdem insgesamt und gegen jede Form von Gewalt, sagen die Initiatoren.

 
 Region gegen Rassismus
+
Wie die Schilder aussehen, zeigen hier (von links) Ursula Müller, Dr. Marion Lilienthal, Matthias van der Minde und Violetta Bat.

Angelehnt an die Wolfhager Erklärung hat die Gruppe eine Charta entwickelt, die all dies betont. Das wichtigste äußere Zeichen: Es gibt ab sofort kostenlos Schilder, die an Schulen, Firmen, Privathäusern oder Vereinsheimen angebracht werden können. So zeige man, dass man hinter der Botschaft stehe. Auch Aufkleber gibt es.

Wird ein solches Schild gut sichtbar angebracht, „macht das Mut zu handeln“, sagt Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises der Synagoge. Der Wunsch sei, dass möglichst viele mitmachen – und die oft schweigende Mehrheit so Stellung bezieht. Abgehakt ist das Thema für die Arbeitsgruppe damit aber längst nicht: Es wird weitergehen, weitere Aktionen sollen folgen.

Kostenlos Schilder und Aufkleber beziehen

Schulen, Betriebe und Unternehmen, Behörden, Vereine und Privatpersonen aus dem Landkreis können Schilder und Aufkleber mit der Aufschrift „Region gegen Rassismus“ kostenlos beziehen über Ursula Müller vom Netzwerk für Toleranz unter Telefon 05631/954-889 oder auch per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, oder bei bekannten Ansprechpartnern, die sich in der Arbeitsgruppe „Region gegen Rassismus“ engagieren. Wer auch in dieser mitarbeiten möchte, meldet sich ebenfalls bei Ursula Müller.

Veranstaltungen abgesagt

Vereinsleben steht still

Corona bringt Vereine in Not: Veranstaltungen abgesagt, Einnahmen brechen weg

Ein gemeinsames Musizieren ist zurzeit nicht möglich: Im vergangenen Jahr traten beim Bundessängerfest auf der Itterburg neben dem Gemischten Chor Thalitter auch Vereine aus Obernburg und Diemeltal auf.

Eine schwere Zeit, auch für die Waldeck-Frankenberger Vereine. Das Vereinsleben steht aufgrund der Corona-Pandemie weitgehend still.

Von der Coronakrise sind besonders die vielen Sportvereine betroffen. „Alle Fußball-Spieltermine sind abgesagt. Die Heimspiele sind eine wesentliche Einnahmequelle. Das Geld fehlt uns zur Abdeckung von laufenden Kosten“, schildert Patrick Nolte vom TSV Bottendorf die Situation. Als Einnahmen in der Haushaltsplanung berücksichtigt seien auch die Erlöse von Veranstaltung im Mai, Juni und Juli. Ob sie überhaupt stattfinden können, sei unklar. „Aber Übungsleiterkosten sowie zum Beispiel der Kredit für die Fotovoltaikanlage laufen weiter“, sagte Nolte.

Doch das Problem ist nicht nur materieller, sondern auch sozialer Art. Nolte: „Für viele Mitglieder und Fans gehört der Fußball, ob in der Bundesliga oder in der Kreisliga, inklusive der Diskussionen und Gespräche zum Alltag.“

 

Kloster Haina und Synagoge Vöhl für Besucher geschlossen

Auch kulturell tätige Vereine leiden unter der Coronakrise. Die Freunde des Klosters Haina können der Öffentlichkeit derzeit weder die mittelalterliche Klosteranlage bei Führungen zeigen, noch die bereits vorbereitete Ausstellung über den Arolser Tischbein, den Maler Johann Friedrich August Tischbein (1750-1812), eröffnen.

Der Förderkreis der Synagoge Vöhl hat zunächst alle größeren Veranstaltungen, wie zum Beispiel Konzerte, bis in den Mai abgesagt und die Synagoge für Besucher geschlossen. Finanziell ist das laut Vorsitzendem Karl-Heinz Stadtler kein Problem, größere Sorgen mache jedoch das „Landkulturboten“-Projekt, das im Sommer ansteht. „Die Ausschreibungen haben stattgefunden und die ersten Bewerbungen sind eingegangen“, berichtet der Vorsitzende. Der Förderkreis hat sich entschieden, die Bewerbungsfrist bis Ende April zu verlängern. „Wir gehen davon aus, dass auch in diesem Jahr sechs Schüler während der Sommerferien Besucher in der Synagoge empfangen werden“, so Stadtler.

Der Bezirkslandfrauenverein Waldeck musste eine wichtige Veranstaltung bereits absagen. „Der Landfrauentag in Korbach wird auf das nächste Jahr verschoben“, sagt Vorsitzende Elke Jäger.

Appell: Vereinen in Corona-Zeit treu bleiben

Die Waldeck-Frankenberger Vereine leisten eine großartige Arbeit. Die Corona-Krise sorgt jedoch auch dort für Existenznöte. Aus diesem Grund appelliert der Frankenberger Rechtsanwalt Robert Ingenbleek: „In dieser Zeit ist unsere Solidarität gefragt. Auf etwaige Rückzahlungen sollte deshalb verzichtet werden, damit unsere Vereine überleben und wir in Zukunft wieder gemeinsam Sport treiben oder anderen Freizeitaktivitäten nachgehen können.“

Kundgebung gegen Rassismus

„Hass durch Toleranz ersetzen“

Hunderte setzen bei Kundgebung in Korbach Zeichen gegen Rassismus

Rund 300 Menschen haben am Donnerstag in Korbach gegen Rassismus und rechten Terror demonstriert.

Korbach – „Null Toleranz gegenüber Rassismus“ stand auf einem der Transparente. Oder: „Heute dreschen sie noch Stammtisch-Parolen, doch morgen haben sie Sprengstoff und scharfe Pistolen“: Rund 300 Menschen waren am Donnerstagnachmittag in die Unterführung am Berndorfer Torplatz gekommen, um sich gegen Rassismus und Ausgrenzung einzusetzen, darunter viele Schülerinnen und Schüler.

Die Kundgebung sollte Gelegenheit bieten, gemeinsam der jüngsten Opfer rassistischer Gewalt in Deutschland zu gedenken: Walter Lübcke, der Opfer der Anschläge von Halle und von Hanau. Ziel war es nach Angaben der Organisatoren, gemeinsam lautstark zu protestieren und zu erklären, dass die große gesellschaftliche Mehrheit Rassismus und Ausgrenzung in jeglicher Form ablehnt.

Matthias van der Minde von der Arbeitsgemeinschaft „Region gegen Rassismus“ des Landkreises Waldeck-Frankenberg begrüßte die Teilnehmer der Kundgebung. Mit der Mahnung „Nie wieder!“ sei er in den 1980er Jahren aufgewachsen. Richard von Weizsäcker sei damals der erste Bundespräsident gewesen, der den 8. Mai 1945, das Ende des Zweiten Weltkrieges, einen „Tag der Befreiung“ nannte.

Wer nun fordere, einen Schlussstrich unter die Auseinandersetzung mit dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte zu setzen, führe nichts Gutes im Schilde, so van der Minde: „Diese Leute wollen ein anderes Land ohne Demokratie.“ Deutschland habe jedoch nur eine Zukunft, „wenn wir wissen, woher wir kommen, was wir für ein Volk waren und was wir lernen mussten.“

„Unser Ziel ist es, den Hass aus den Köpfen der Menschen zu vertreiben und durch Liebe und Toleranz zu ersetzen“, sagten Florian Völlmecke und Luca-Sergio Wehner von der Schülervertretung der Beruflichen Schulen. Beide riefen zu Zivilcourage auf: „Zeigt den Leuten, die Hass verbreiten, dass ihr mehr seid.“ Sogenannte „besorgte Bürger“ seien lediglich „verkappte Faschisten.“ Völlmecke und Wehner: „Dafür haben wir in unserer Region keinen Platz.“

Keiner habe das Recht, anderen die Freiheit, das Glück und das Leben zu nehmen, sagte Karl-Heinz Stadtler von der Synagoge in Vöhl. „Wichtig ist es, in jedem Menschen sich selbst zu sehen.“ Die Gewalt und der Terrorismus, der das Land derzeit erlebe, habe eine Basis: „Es ist der Alltagsrassismus, der noch in vielen Menschen schläft und manchmal auch in uns selbst.“ Auch der Antisemitismus sei noch allgegenwärtig.

Fremdenfeindlichkeit und fehlende Mitmenschlichkeit werde durch die sprachliche Verrohung befeuert, sagte Stadtler. Deshalb sei Respekt vor den anderen ein wichtiges Erziehungsziel: „Die Würde des Menschen darf nicht angegriffen werden.“ Stadtler rief anschließend zur Schweigeminute für alle Opfer rassistischer Gewalt auf.

Mit ihrer Stimme und ihrer Gitarre bewegte Lena Fingerhut die Demonstranten.

Mahnwache Korbach

AG Region gegen Rassimus und Synagoge Vöhl rufen ab 18 Uhr zur Teilnahme auf

Anschlag in Hanau: Heute Mahnwache vor der Kilianskirche in Korbach

Mahnwache vor dem Rathaus in Kassel nach der Bluttat in Hanau mit elf Toten: Auch in Korbach wird es am heutigen Freitagabend um 18 Uhr eine Mahnwache gebe. AG Region gegen Rassimus und die Synagoge Vöhl rufen zur Teilnahme auf. 

Nach den Anschlägen in Hanau rufen die AG Region gegen Rassimus und die Synagoge Vöhl am heutigen Freitagabend von 18 bis 18.30 Uhr zu einer Mahnwache gegen Rassimus, Rechtsradikalität, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sowie für Toleranz und ein solidarisches Miteinander auf. Diese findet vor der Kilianskirche in Korbach („Waldeccia“) statt. 

"Der furchtbare Anschlag in Hanau nach dem Mord an Walter Lübcke und dem Angriff auf die Synagoge in Halle zwingen jeden überzeugten Demokraten zum Handeln. Wer es sich irgend einrichten kann, komme bitte heute Abend nach Korbach", schreiben die Initiatoren und fügen hinzu: "Zeigen wir Gesicht. Zeigen wir Solidarität und verteidigen wir unsere Demokratie! Region gegen Rassismus!"

Auch heimische Parlamentarier drückten nach den Anschlägen in Hanau ihre Anteilnahme aus. Mit einer Schweigeminute zu Beginn ihrer Sitzung setzten am Donnerstagabend die Korbacher Stadtverordneten ein Zeichen. Alle Demokraten müssten in diesen Zeiten zusammen stehen, sagte Stadtverordnetenvorsteherin Lilo Hiller, die den Anschlag in eine Reihe stellte mit dem Mord an Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019.

Jahresprogramm

Konzerte, Lesungen, Ausstellung: Das Jahresprogramm des Förderkreises im Überblick

Synagoge in Vöhl: Mit Musik die Kulturen verbinden

Jazz, Klassik, Folk – und Klezmer: Die finnische Gruppe kommt am 22. Mai nach Vöhl.

Abwechslungsreich soll das Musikprogramm des Förderkreises der Synagoge Vöhl sein – und das ist den Machern gelungen. Weltmusik, Klezmer, Jazz, Chansons, Klassik und Lateinamerikanisch hören die Besucher in diesem Jahr.

Eine Hommage an Edith Piaf mit Emilia Blumenberg gibt es am Samstag, 15. Februar. Die Schauspielerin und Sängerin aus Südhessen singt Chansons unter dem Titel „Je ne regrette rien“. Matthias Schlubeck, der erste deutsche Musiker mit Hochschulabschluss im Fach Panflöte, ist zusammen mit Harfenistin Andrea Moreton am Samstag, 21. März, zu erleben.

Zum ersten Mal kommt die Gruppe Sistanagila nach Vöhl. Die iranisch-israelischen Musiker wollen durch ihre Musik zwei Kulturen verbinden, spielen jüdische und iranische Musik. Das Konzert findet statt am Samstag, 9. Mai. Finnische Klezmermusik gibt es am Freitag, 22. Mai, mit Narinkka. Auch sie sind zum ersten Mal Gast in der Synagoge. In Kooperation mit der deutsch-finnischen Gesellschaft erleben die Zuhörer „Suomiklezmer“ und europäische Weltmusik, die Musiker mischen viele unterschiedliche Stile und Richtungen.

 Programm 2
Das Vokalensemble Aquabella singt am 11. Juli „Heimatlose Lieder“. 

Zu den Stammgästen in der Synagoge gehört seit Jahren immer mal wieder das Ensemble Aquabella. Die fünf Sängerinnen bieten diesmal Lieder dar aus Ländern, die es so nicht mehr gibt und von Menschen, die heimatlos geworden sind. „Heimatlose Lieder“ sind zu hören am Samstag, 11. Juli. Zum Tag des offenen Denkmals am Samstag, 12. September, sind Helmut Eisel & JEM in der Synagoge zu erleben. Zusammen mit JEM macht Eisel Klezmermusik mit Klarinette, Kontrabass und Gitarre unter dem Motto „KlezFiesta“, dem aktuellsten Programm der dreiköpfgen Musikgruppe.

Im Rahmen des Gitarrenfestivals Edersee kommen Tilmann Höhn und Max Clouth am Samstag, 17. Oktober, in die Synagoge. Tilmann Höhn spielt nicht nur Gitarre und das in den unterschiedlichsten Musikrichtungen, er komponiert, produziert und unterrichtet auch. Max Clouth hat viele Jahre in Indien gelebt und lässt die besonderen musikalischen Einflüsse auch in seine eigene Musik einfließen.

 Programm 3
+
„Around the World“ heißt das Programm, das Tilmann Höhn mit Begleiter vorstellt. 

Den musikalischen Jahresabschluss gibt es am Samstag, 28. November, mit dem Ensemble Santiago zusammen mit Faleh Khaless. Die Musiker verbinden Klänge aus Renaissance und Barock mit spanischen und südamerikanischen Tänzen. Alle genannten Konzerte beginnen um jeweils 19 Uhr.

Ein Ziel des Förderkreises der Synagoge ist es, nicht nur ein buntes und abwechslungsreiches Programm für die Konzertbesucher zu bieten. Wenn möglich, wollen die Mitglieder auch verschiedene Kulturen durch die Musik verbinden, sagt Karin Keller, die das Programm zusammengestellt hat. Denn dafür eigne sich die Synagoge hervorragend.

Ausstellung: Die vier Elemente

„Urkräfte: Feuer, Wasser, Luft und Erde“ heißt die Ausstellung, die ab Mittwoch, 24. Juni, in der Synagoge zu sehen ist. Die Künstlerin Dr. Christa Fianda stellt dort ihre Fotoarbeiten aus.

Zu sehen sind auf den Leinwänden Fotos der vier Elemente. Sie sind nicht am Computer bearbeitet, aber um einen bestimmten Winkel gedreht. So wird eine gewisse Unschärfe erreicht, die die Bilder wie gemalt aussehen lässt. Die Vernissage mit der Fotografin aus Soest ist am 24. Juni ab 18 Uhr. Zu sehen sind die Bilder dann bis 31. August.

Spaziergänge, Literatur und Kino

Neben einigen Konzerten bietet der Förderkreis auch wieder Führungen auf den Spuren Vöhler Juden, Synagogenkino und Literaturcafés an, außerdem wird die alte Synagoge regelmäßig für interessierte Besucher geöffnet. Offene Synagoge ist am 12. Januar, 9. Februar, 8. März, 12. April, 14. Juni, 5. Juli, 12. Juli, 26. Juli, 9. August, 13. September, 11. Oktober, 8. November und 13. Dezember. Geöffnet ist an diesen Sonntagen immer von 15 bis 16 Uhr. 

Spaziergänge auf den Spuren Vöhler Juden sind am Sonntag, 10. Mai, und Sonntag, 19. Juli, jeweils von 15 bis 17 Uhr. Das Dienstagskino findet statt am 14. Januar, 11. Februar, 10. März, 14. April, 12. Mai, 9. Juni, 14. Juli, 11. August, 15. September, 13. Oktober, 10. November und 8. Dezember. Beginn ist immer um 19 Uhr. 

Auch Literaturcafés gibt es sonntags wieder: am 15. März und am 27. September, dabei werden ab jeweils 15 Uhr bei Kaffee und Kuchen Bücher vorgestellt. Am Sonntag, 16. August, gibt es das Lach-Café, bei dem jüdische Witze erzählt werden. Spaziergänge, Dienstagskino und der Besuch des Literaturcafés sind kostenlos, Spenden werden aber gern gesehen.

Hier gibt es die Tickets

Eintrittskarten für die Konzerte des Förderkreises der Synagoge Vöhl gibt es im Vorverkauf unter Tel. 05635/1022 oder per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Ein Ticket gibt es für 14, 16 oder 18 Euro, für Schüler und Studenten gibt es eine Ermäßigung von vier Euro. An der Abendkasse kosten die Karten jeweils zwei Euro Aufpreis.

Copyright © 2016 Synagoge Vöhl. Alle Rechte vorbehalten.