Förderkreis
"Synagoge in Vöhl"
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Mit Wissen gegen Hass

Gegen Rassismus - Vöhler Synagoge hält Erinnerung an Holocaust wach

Mit Wissen gegen Hass

Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises, in seinem Element. Mit großem Engagement setzt er sich für die Erinnerungskultur ein. Der Förderkreis unterhält eine große Bibliothek.   

Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke vor einem Jahr war ein Höhepunkt. Der kürzliche Fall George Floyd in den USA kommt hinzu. Hass, Hetze und Rechtsradikalismus bleiben aktuell. Um so wichtiger ist die Erinnerung an die NS-Verbrechen – wie in der Vöhler Synagoge.

Vor 21 Jahren gründete sich der Verein Förderkreis Synagoge in Vöhl mit dem Ziel, die aus dem Jahr 1827 stammende und bis in die Zeit des Nationalsozialismus genutzte ehemalige Synagoge in Vöhl wiederherzurichten und als Gedenk- und Kulturstätte zu nutzen. Der unwissende Besucher wird an dem schlichten Fachwerkbau mit seinen grünen Balken im Ortskern von Vöhl sicher vorbeigehen. Nur ein kleines Schild weist darauf hin, dass sich in dem Haus mit den kleinen Sprossenfenstern eine beinahe 200 Jahre alte Synagoge versteckt.

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Der Sakralraum ist heute ein beliebter Ort für Veranstaltungen.

Karl-Heinz Stadtler, Vorsitzender des Förderkreises, ist ganz in seinem Element, wenn er durch die Tür tritt und eintaucht in die Geschichte der Vöhler Juden und des Judentums insgesamt. „Den Sakralraum gleich rechts hinter der Eingangstür kenne ich noch aus meiner Kindheit. Als ich dann 1999, nach dem Kauf des Hauses durch den Förderkreis nach vielen Jahren den Raum wiedersah, waren meine ersten Gefühle Ehrfurcht, Zurückhaltung und Respekt. Das ist bis heute so. Bei allem was ich lerne, sehe und erlebe, wird mir klar, wie wichtig noch immer die Erinnerungsarbeit ist. Gegenwart und Zukunft lassen sich nur durch sie gestalten.“

Ein Versprechen für die Zukunft

1827 begann der Bau der Synagoge, in der auch der jüdische Lehrer mit seiner Familie wohnte und die Kinder aus dem Ort unterrichtete. Zwei Jahre später feierten die 140 Mitglieder der orthodoxen jüdischen Gemeinde im Rahmen des Schabbat-Gottesdienstes die offizielle Einweihung.

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Berührendes Treffen mit 15 noch lebenden ehemaligen Vöhler Juden im Jahr 2000.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts gehörten viele Juden dem Gemeinderat an. Sie waren aktive Mitglieder und Mitbegründer des Gesang-, Frauen- und des Verkehrsvereins. Sie spielten gemeinsam mit den nichtjüdischen Einwohnern der 700 Seelen-Gemeinde Fußball und Faustball.

„Heute leben hier keine Juden mehr, und nur ein Mitglied unseres Vorstands, Sarah Küpfer, ist Jüdin“, erklärt Karl-Heinz Stadtler, der betont: „Im Jahr 2000 aber haben wir es geschafft, mit 15 noch lebenden ehemaligen Vöhler Juden hier im Sakralraum einen gemeinsamen Gottesdienst zu feiern.

Mit Erinnerung gegen Vorurteile

Es war ein tief beeindruckendes Erlebnis. Wir haben auch noch immer Kontakt zu einigen Nachfahren ‚unserer’ Vöhler Juden.“ Den Gottesdienstbesuchern von damals gab der ehemalige Geschichtslehrer das Versprechen, in der Erinnerungsarbeit nicht nachzulassen. Der Förderkreis hat inzwischen ein große Bibliothek mit den unterschiedlichsten Büchern sammeln können. Karl-Heinz Stadtler hat in Berliner Archiven und sogar in Jerusalem viele Berichte, Daten und Protokolle gefunden. So weiß er heute viel über das Leben, die Geschichte, Religion und Kultur von 6500 Juden im Landkreis. Seine Forschung geht auch weit zurück bis hin zur Vertreibung aus Palästina. „Je mehr man weiß, umso besser kann man gegen Vorurteile und Feindseligkeit ausrichten. Wenn Schulklassen oder Konfirmandengruppen hier sind, stelle ich oft fest, dass die Jugendlichen viele Fakten kennen, aber nur wenig darüber wissen, wie der Holocaust überhaupt entstehen konnte. Ich bin mir sicher, dass es in Deutschland keinen zweiten Holocaust mehr geben wird, aber die Mechanismen der Verachtung und Verunglimpfung funktionieren noch immer.“

Die Vöhler Synagoge aber ist nicht nur ein lebendiges Museum. Mit 86 Veranstaltungen im vergangenen Jahr ist sie auch ein ausgebuchter Veranstaltungsort. Kinofilme, Lesungen bei Kaffee und Kuchen, fröhliche Nachmittage mit jüdischen Witzen, Konzerte in unterschiedlichsten Musikgenres, Ausstellungen und natürlich Museumsführungen spannen einen großen Bogen um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Was in diesem Jahr in der Coronakrise noch möglich sein wird, kann Karl-Heinz Stadtler jetzt noch nicht sagen. Die Synagoge in Vöhl ist in den kommenden Wochen geschlossen. Wann es wie weiter geht, wird auf der Internetseite des Förderkreises veröffentlicht. /Barbara Liese     

Info: www.synagoge-voehl.de

Ansprechpartner:

Karl-Heinz Stadtler,

Am Wäldchen 3, Vöhl, Tel. 05635 1491, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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